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Preisträger:Applaus und Ärger - die Geschichte des Karlspreises

Churchill Ehrungen

Winston Churchill (2. v. r. neben Bundespräsident Theodor Heuss) erntete bei der Preisverleihung 1956 auch Proteste. "Wundert dich das, Darling?", soll seine Frau, Lady Clementine (r.), gesagt haben.

(Foto: ullstein bild)

Meist werden Politiker ausgezeichnet, doch nicht alle Preisträger sind auf Begeisterung gestoßen. Und manchmal fiel die Ehrung ganz aus.

Ob Karl der Große, wenn er noch lebte, wohl den Karlspreis bekäme? Eher nicht. Denn der Kaiser einte das lateinische Europa nicht friedlich, sondern mit Gewalt. Er zog in viele Angriffskriege, richtete Gemetzel unter den Sachsen an und führte auch als christlicher Ehemann nicht unbedingt ein sündenarmes Leben. Das Direktorium der Karlspreisgesellschaft wählt aber gern Persönlichkeiten aus, für die es mehr Applaus als Kritik erwarten kann.

Der Papst aus Südamerika ist so ein Beispiel. Mit vielen seiner Botschaften können sich auch Nicht-Katholiken identifizieren. So spricht sich der Pontifex energisch für ein vereintes Europa aus, und das in einer Zeit, in der die EU "einen dramatischen Vertrauensverlust" erlebt, wie das Direktorium schreibt.

So sagte der Papst im November 2014 vor dem Europäischen Parlament: "Es ist der Moment gekommen, den Gedanken eines verängstigten und in sich selbst verkrümmten Europas fallen zu lassen, um ein Europa zu erwecken und zu fördern, das ein Protagonist und Träger von Wissenschaft, Kunst, Musik, menschlichen Werten und auch des Glaubens ist." Das wirkt wie Balsam auf die Wunden der Europa-Freunde in Aachen und anderswo.

In manchen Jahren fiel die Ehrung aus

Franziskus ist nicht der erste Kirchenmann, der den Karlspreis erhält. Vor ihm wurden Frère Roger als Gründer der ökumenischen Bruderschaft von Taizé (1989), Papst Johannes Paul II. (2004) und Andrea Riccardi, der Gründer der katholischen Laienbewegung Sant'Egidio (2009), geehrt.

In den meisten Jahren ging der Preis allerdings an Spitzenpolitiker: etwa an den früheren französischen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing, der 2003 für seine Arbeit als Präsident des Europäischen Verfassungskonvents ausgezeichnet wurde; oder an den damaligen ungarischen Außenminister Gyula Horn (1990), der den Eisernen Vorhang öffnete und mit dafür sorgte, dass die europäische Einigung nicht auf den Westen des Kontinents beschränkt blieb.

Europhobe Briten könnten bedenken, dass 1955 der Premierminister Winston Churchill vom Aachener Direktorium erwählt wurde. Als er ein Jahr später den Preis in Empfang nahm, rühmte er die "mitreißende Idee der europäischen Einheit". Allerdings schätzten nicht alle bombengeschädigten Bürger Aachens den britischen Premier. Als er in der Stadt auf Protestierer traf, sagte Churchill zu seiner Frau: "Man mag mich nicht." Sie soll erwidert haben: "Wundert dich das, Darling?"

Gewisse Probleme gab es auch bei der Auszeichnung Robert Schumans. 1951 lehnte der damalige französische Außenminister den Preis aus Deutschland ab. Erst 1958, Schuman war inzwischen Präsident des Europäischen Parlaments, und der Karlspreis war nun etabliert, nahm er ihn an.

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