Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich:Sarkozy provoziert, rechts wie links

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Falls der Präsident damit provozieren wollte, ist ihm das gelungen. Der rechtsextreme Front National, der seit langem mehr Volksentscheide fordert, klagt, Sarkozy wildere auf seinem Terrain und mache sich einer "vulgären Fälschung" des Front-National-Programms schuldig.

Die Sozialisten kritisieren, der Staatschef wiegle die Wähler gegen Arbeitslose und Ausländer auf und plane einen ultrakonservativen Wahlkampf wie der Amerikaner George W. Bush im Jahr 2004. Auch Politiker des Zentrums sind empört über den Vorstoß, den sie für populistisch halten.

Sarkozy wird sich über das Echo freuen. Ihm geht es darum, bis zum ersten Wahlgang am 22. April das konservative und rechtsnationale Wählerlager hinter sich zu versammeln, um möglichst gleichauf mit Hollande in die Stichwahl am 6. Mai zu ziehen. Dabei könnte ihm helfen, dass Marine Le Pen, die Kandidatin des Front National, womöglich vorab aus dem Rennen fällt.

Nach französischem Recht muss jeder Präsidentschaftskandidat mindestens 500 öffentliche Unterstützungserklärungen gewählter Volksvertreter vorlegen. Dies können Abgeordnete, Bürgermeister oder Mitglieder der Départements-Parlamente sein. Le Pen hat Mühe, diese Erklärungen beizubringen, obwohl ihr die Meinungsumfragen bis zu 20 Prozent der Wählerstimmen geben. Fällt sie aus, kann Sarkozy ihre Anhänger einsammeln.

Allerdings ist diese Strategie riskant. Durch seinen Rechtsruck gibt der Gaullist Platz in der Mitte preis. Dort lauert François Bayrou auf seine Chance, der Kandidat des christlichen und liberalen Zentrums. Der Mann aus den Pyrenäen, ein gewitzter Rhetoriker, der Sarkozy einmal als "barbarisches Kind" bezeichnete, sagte am Wochenende, die Referendumspläne seien schockierend.

"Er (Sarkozy) schlägt uns vor, die humanistischen Werte Frankreichs zu verneinen." Der Staatschef präsentiere dem krisengeschüttelten Land die Arbeitslosen und die Ausländer als die angeblich Verantwortlichen für die Misere. Dabei habe ein Präsident die Pflicht, "das Volk zu einen und nicht zu spalten".

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