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Präsidentschaftswahlen in den USA:Zwischen schwarz und weiß

Zwei aktuelle Wahlumfragen in den USA zeigen: Das Rassenproblem spaltet die amerikanische Nation - und hat erhebliche Folgen für den Präsidentschaftswahlkampf.

Die Rassenfrage im US-Präsidentschaftswahlkampf nimmt offenbar eine größere Rolle ein als bisher angenommen. Eine aktuelle Umfrage der Zeitung New York Times und des Fernsehsenders CBS unter in den USA registrierten Wählern ergibt, dass durch die amerikanische Bevölkerung offenbar ein tiefer Riss entlang der Hautfarbe geht. Dies bestätigen auch die jüngsten Ergebnisse der monatlich durchgeführten Umfrage des Meinungsforschungsinstitus Reuters-Zogby.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama führt mit sechs Prozentpunkten vor Konkurrent John McCain.

(Foto: Foto: AP)

In der Umfrage von New York Times und CBS gaben 59 Prozent der befragten Afroamerikaner an, dass die Beziehungen zwischen den Rassen schlecht seien. 48 Prozent der Schwarzen sagten außerdem, dass die Probleme der afroamerikanischen Bevölkerung nicht genug beachtet würden.

Zum Vergleich: Von den befragten weißen US-Bürgern finden das nur 16 Prozent. Auf die Frage, ob sie sich jemals in einem konkreten Fall diskriminiert fühlten, antworteten 68 Prozent der Schwarzen mit ja, aber nur 26 Prozent der Weißen. Und 64 Prozent der Schwarzen gaben an, dass die Chancen von Weißen, in der Gesellschaft aufzusteigen, besser seien.

Diese Kluft zischen den Hautfarben schlägt sich auch in der Bewertung der Präsidentschaftskandidaten nieder: 89 Prozent der Afroamerikaner sind für den schwarzen Kandidaten der Demokraten, Barack Obama, bei den Weißen sind es nur 31 Prozent. Hinter dem weißen Kandidaten der Republikaner, John McCain, stehen dagegen 46 Prozent der Weißen, aber nur zwei Prozent der Schwarzen.

Schwarze Wähler sagten außerdem eher aus, dass Obama sich um ihre Probleme kümmern würde, wohingegen weiße Wähler häufiger sagten, Obama sage nur, was die Leute hören wollen und nicht, was wirklich seine Überzeugung ist. 40 Prozent der befragten Schwarzen fürchten außerdem, dass ein gewählter Präsident McCain die weiße Bevölkerung bevorzugen würde.

Und sogar an der potentiellen First Lady scheiden sich die Geister: 58 Prozent der schwarzen Wähler favorisieren Obamas Frau Michelle, aber nur 24 Prozent der weißen. Alles in allem führt Obama aber immer noch vor seinem Rivalen McCain mit 45 zu 39 Prozent. Dieser Abstand von sechs Prozentpunkten weicht von einer erst jüngst veröffentlichten Umfrage des Nachrichtenmagazins Newsweek ab: Dieser Umfrage nach führt der demokratische Präsidentschaftsbewerber Barack Obama nur noch mit drei Prozentpunkten.

Vorsprung bei den Hispanics

Boden gut machte Obama laut der Times-Umfrage bei der hispanischen Bevölkerungsgruppe: Noch im Frühjahr hatte er Probleme gehabt, sich bei dieser Gruppe gegen seine parteiinterne ehemalige Konkurrentin Hillary Clinton durchzusetzen. Als alleiniger Kandidat der Demokraten führt er aber nun in dieser Gruppe vor McCain mit 62 zu 23 Prozent. Diese Wählergruppe vertraut Obama eher, wenn es um den Umgang mit Immigration geht.

Obwohl mit Obama, dem Sohn eines Kenianers, zum ersten Mal in der Geschichte ein Schwarzer für das höchste Amt in den USA kandidiert, legt die Umfrage nahe, dass sich an dem Rassenproblem in den USA wenig geändert hat. Die New York Times als Auftraggeber der Studie stellt selbst einen Zusammenhang zu einer Serie von Artikeln her, die in der Zeitung vor acht Jahren erschienen war. Darin hatte die Zeitung schon einmal Amerikaner zur Rassenproblematik befragt. Schon damals stellte die Times eine starke Betonung der Rassenfrage fest. Die aktuellen Ergebnisse unterscheiden sich kaum von der Situation im Jahr 2000.

Auch die aktuelle Umfrage von Reuters-Zogby bestätigt die Bedeutung der Rassenfrage im Wahlkampf: Obama schnitt auch hier vor allem bei Frauen, Schwarzen und der hispanischen Bevölkerungsgruppe besser ab. McCain kommt bei weißen Wählern, der Mittelschicht und Senioren besser an.

Außerdem ergab die Umfrage, dass Obama seinen kompletten Vorsprung in der Gruppe der Wähler einbüßte, die sich noch nicht festgelegt haben und die bei dem Urnengang im November das Zünglein an der Waage sein könnten. Beim mittlerweile wichtigsten Wahlkampfthema, der prekären Wirtschaftslage, zeichnete sich immer noch kein klarer Favorit ab. 44 Prozent der Befragten gaben an, sie trauten Obama eher zu, die Konjunktur in den Griff zu bekommen. Für 40 Prozent war McCain der geeignetere Bewerber.