Präsidentschaftswahl 2016 Warten auf Hillary

Kandidiert sie 2016 oder nicht? Solange sich Hillary Clinton nicht äußert, müssen Demokraten wie Vizepräsident Biden warten. Also wird jeder Auftritt der 65-Jährigen genau verfolgt. Ein Buch-Deal heizt neue Spekulationen an - und Tochter Chelsea ist überzeugt, dass die Ex-Außenministerin "die richtige Entscheidung" für Amerika treffen werde.

Von Matthias Kolb

Es ist die Frage, über die Amerikas Medien am liebsten spekulieren: Wird Hillary Clinton 2016 in das Rennen um das Weiße Haus einsteigen? Solange sich die frühere Außenministerin nicht erklärt, müssen mögliche Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten und Republikaner abwarten. Erste Auftritte und ein Buch-Deal heizen die Spekulationen ebenso an wie jede Rede von Ehemann Bill. Tochter Chelsea ist überzeugt, dass ihre Mutter "die richtige Entscheidung" treffen werde.

Im TV-Sender NBC erklärte die frühere First Daughter, sie sei zuversichtlich, dass "Mom" einen Entschluss fassen werde, der sowohl für sie als auch für das Land "richtig" sei. Sie freue sich, dass ihre Mutter so viel "Bewunderung, Respekt und Dankbarkeit" für ihre Arbeit erfahre, sagte die 33-Jährige - und versicherte, dass sie selbst nicht wisse, wann und wie sich Hillary äußern werde. "Als Tochter werde ich sie in allem unterstützen, was sie tut", sagte Chelsea, die als Korrespondentin für NBC arbeitet.

Dass Bill Clinton seine Gattin gern im Weißen Haus sehen möchte, gilt in Washington als unumstritten. Also werden Aussagen des 42. US-Präsidenten wie "Amerika wird sich 2016 zwischen einigen sehr guten Kandidaten entscheiden können" von manchen Beobachtern als Fingerzeig gedeutet. Und selbstverständlich wurde ihre per Video verbreitete Unterstützung für die Homo-Ehe auch als Positionierung für den Wahlkampf interpretiert.

Noch gelingt es Hillary Clinton, ihren nach dem Ausscheiden aus dem Ministeramt vorgegebenen Kurs einzuhalten: Sie wolle sich nach ihrer Zeit als Chefdiplomatin ein Jahr lang ausruhen, sich um ihr Herzensthema Frauenrechte kümmern und einen weiteren Band ihrer Memoiren schreiben, der im Juni 2014 erscheinen soll. Finanzielle Details wurden nicht bekannt - 2003 erhielt die ehemalige First Lady aber acht Millionen Dollar für ihr Buch "Living History". Auch für ihre Auftritte als Rednerin wird sie hohe Honorare kassieren. Über eine weitere Präsidentschaftskandidatur - 2008 unterlag sie bekanntlich gegen Barack Obama - werde sie erst später entscheiden.

Weil es eine erhebliche Aufgabe ist, Hillary Clinton zu sein, wie die New York Times leicht spöttisch anmerkt, arbeitet ein halbes Dutzend Mitarbeiter in einem schmucklosen Washingtoner Büro für die 65-Jährige - in einem transition office. Dass am Ende jenes Übergangs eine Kandidatur für das Weiße Haus steht, glaubt nicht nur die bekannte Kolumnistin Maureen Dowd: "Natürlich wird Hillary antreten. Ich habe noch nie einen Mann getroffen, der nicht Präsident werden wollte, nachdem ihm alle versichert haben, dass er Chancen habe. Warum sollte dies bei einer Frau anders sein?"

Auch John Dickerson, Polit-Analyst von Slate.com und CBS, sieht Hillary in der besten denkbaren Position aller potenziellen Kandidaten: Wenn sie Aufmerksamkeit möchte, bekomme sie diese, ohne dafür große politische Risiken eingehen zu müssen. Zudem verfüge sie über zahlreiche loyale Unterstützer, die ihr als Berater oder als mögliche Spender zur Verfügung stehen würden, so Dickerson.

Der größte Vorteil für Hillary Clinton liegt in ihrer Hoheit über die Zeit: Wenn sie es nicht möchte, dann kann sie bis Ende 2014 oder Anfang 2015 warten und alle möglichen Konkurrenten müssen sich nach ihr richten. Die Veröffentlichung ihres Buches im Sommer 2014 wird nicht nur für viel Aufmerksamkeit sorgen: Clinton kann auf ihrer Lesereise nicht nur ihre Popularität testen, sondern auch bevorzugt in wichtigen swing states wie Ohio, Florida oder Virginia auftreten.

Marylands demokratischer Gouverneur Martin O'Malley oder der New Yorker Andrew Cuomo - sie werden sich erst bekennen oder offensiv um Spenden werben, wenn klar ist, wie sich Clinton positioniert. Und gerade einige der jüngeren Republikaner werden sich gut überlegen, ob sie wirklich das Schwergewicht Hillary Clinton herausfordern wollen - oder nicht doch zurückstecken. In Wartestellung bleibt auch Vizepräsident Joe Biden, mit dem sie Anfang April im Washingtoner Kennedy Center für Frauenrechte warb, und der schwärmte: "Es gibt keine zweite Frau wie Hillary."

Das denken auch jene Fans, die vergangene Woche bei der "Women in the World"-Veranstaltung in New York Schilder mit der Aufschrift "Ready for Hillary" ("Bereit für Hillary") verteilten: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie auf dem Sofa Popcorn isst und die Füße hochlegt." Auch ihre Anhänger wollen nicht tatenlos zusehen: Vergangene Woche wurde das Super-Pac Ready for Hillary registriert und eine entsprechende Website ins Netz gestellt. Das politische Aktionskomitee will Spenden sammeln und für Clinton werben.

Zu den prominentesten Unterstützern gehört der britische Ex-Premier Tony Blair: "Hillary ist Stärke, Zähigkeit und Prinzipientreue", wird er zitiert. "Ich habe das Gefühl, dass das Beste noch kommen wird." Und Sex-and-the-City-Star Sarah Jessica Parker lobt: "Sie hat so viel zu geben und hat die Voraussetzungen, es gut zu machen: fürsorglich zu sein, vernünftig, stark, durchsetzungsstark und mitfühlend." Laut AFP melden sich täglich tausend Fans auf der Website des Super-Pacs, um die 65-Jährige zu unterstützen.

Dass Hillary in ihrer eigenen Liga spielt, verdeutlicht ein Blick auf die ersten Umfragen: Sie liegt 30 Punkte vor Biden und anderen Demokraten. Unter den Republikanern kann Chris Christie, der schwergewichtige Gouverneur aus New Jersey, am ehesten mithalten. Allerdings ist die Aussagekraft dieser Erhebungen mehr als drei Jahre vor dem Wahltermin äußerst begrenzt.

Insofern war der gestrige Montag ein guter Vorgeschmack: Kaum war die Nachricht vom Tod der langjährigen britischen Premierministerin Margaret Thatcher bekannt geworden, erschien auf der Website des National Journal ein Artikel. Die Überschrift lautete: "Was Margaret Thatcher Hillary Clinton beibringen könnte".

Linktipp: Wie Hillary Clinton und ihre mögliche Entscheidung die Überlegungen der anderen Kandidaten beeinflusst, hat die New York Times detailliert beschrieben. Der kluge Polit-Beobachter John Dickerson argumentiert bei Slate.com, dass es gut sei, wenn bereits drei Jahre vor der nächsten Wahl um mögliche Kandidaten spekuliert werde - andernfalls verliere sich die US-Politik zu sehr im Klein-Klein.