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Präsidentschaftswahl in Frankreich:Hollande liegt in Prognosen vor Sarkozy

Das belgische Fernsehen hat schon vor Schließung der Wahllokale in Frankreich die Ergebnisse von ersten Nachwahlbefragungen veröffentlicht: Danach wird der nächste Präsident François Hollande heißen. Der Sozialist soll fünf bis sechs Prozent vor Amtsinhaber Nicolas Sarkozy liegen.

Die Franzosen haben am Sonntag bei einer Stichwahl ihren neuen Präsidenten bestimmt. Erste Nachwahlbefragungen vom Vormittag, die das staatliche belgische Fernsehen RTBF veröffentlichte, sehen den Sozialisten François Hollande als Sieger. Er führte demnach mit 52,5 bis 53 Prozent der Stimmen vor Amtsinhaber Nicolas Sarkozy, der auf 47 bis 47,5 Prozent kam.

Die französischen Überseegebiete, die bereits am Samstag abgestimmt hatten, votierten klar für Hollande. Die Wahlbeteiligung lag am Mittag bei 30,7 Prozent und damit etwas schwächer als vor fünf Jahren. Die Wahllokale schlossen in den Großstädten erst um 20 Uhr.

Hollande wäre der erste sozialistische Staatschef Frankreichs seit François Mitterrand, der das Land von 1981 bis 1995 regiert hatte. Seine Vertrauten kündigten an, er werde im Fall seines Sieges wohl noch in der Wahlnacht mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) telefonieren.

Hollande verbrachte den Wahltag in seiner politischen Hochburg, dem südwestfranzösischen Departement Corrèze. Dort stimmte er am Vormittag in der Stadt Tulle ab. "Das wird ein langer Tag", sagte der 57 Jahre alte frühere Parteichef der Sozialisten. "Ob es ein schöner Tag wird, entscheiden die Franzosen." Hollande wollte im Fall eines Sieges zunächst vor der Kathedrale von Tulle zu den Franzosen sprechen und dann noch in der Nacht nach Paris fliegen, wo die Sozialisten eine Siegesfeier auf der Place de la Bastille vorbereiteten.

"Man wird auf mich hören müssen", sagt Hollande.

Der noch amtierende Präsident Sarkozy stimmte mit seiner Frau Carla Bruni im 16. Arrondissement von Paris ab. Danach begab er sich in den Élysée-Palast, um dort den Ausgang der Wahl abzuwarten. Sarkozy hatte vor fünf Jahren gegen die Sozialistin Ségolène Royal gewonnen. Im ersten Wahlgang vor zwei Wochen lag er mit 27,2 Prozent der Stimmen knapp hinter Hollande, der auf 28,6 Prozent kam. Die drittplatzierte Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National, die 17,9 Prozent erhielt, empfahl ihren Anhängern, bei der Stichwahl einen leeren Stimmzettel abzugeben. Etliche weitere im ersten Wahlgang ausgeschiedene Kandidaten schlugen sich dagegen auf die Seite Hollandes. Hierzu gehören Jean-Luc Mélenchon von der Linksfront sowie der Zentrist François Bayrou.

Sarkozy und Hollande hatten die Abstimmung zur Richtungswahl erklärt, die entscheidend für das Schicksal Frankreichs und Europas sei. Der amtierende Präsident warb dafür, seinen Kurs der Haushaltssanierung und Reformen fortzusetzen. Zugleich kündigte er an, im Falle seines Sieges dafür zu sorgen, dass sich die EU stärker gegen illegale Einwanderung wehrt und ihre Industrie stärker vor ausländischer Konkurrenz schützt. Im Notfall werde Frankreich dies alleine tun.

Hollande versprach seinen Wählern, einen Richtungswechsel in Europa durchzusetzen. Die strikte Sparpolitik, wie sie von der deutschen Bundesregierung vertreten wird, müsse um eine Wachstumsstrategie ergänzt werden. "Man wird auf mich hören müssen", sagte er. Mit einem Sieg will Hollande eine sozialdemokratische Wende in der ganzen EU einleiten. Zugleich kündigte er an, gut mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammenzuarbeiten. Mit Spannung wurde in Frankreich erwartet, wie die Märkte am Montag auf den Wahlausgang reagieren.