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Präsidentschaftswahl in Frankreich:Bürger, an die Urnen!

In Schlangen stehen die Franzosen in den Pariser Wahllokalen - und trotzdem ist die Wahlbeteiligung geringer als vor fünf Jahren. Aus Angst vor den Folgen hoher Enthaltung versuchen viele Franzosen, ihre Bekannten zu mobilisieren. Auch wenn es nichts ändert: Hingehen muss man, finden viele - und wenn es für einen billigen Burger ist.

Wer groß rauskommen will, dem ist kein Vergleich zu unbescheiden. Die "Stadt der sieben Hügel" nennt sich der 15.000-Einwohner-Ort Tulle, in dem François Hollande heute seine Stimme abgegeben hat. Der Präsidentschaftskandidat der Sozialisten verzichtete aber darauf, sich als Herr einer ewigen Stadt - oder demnächst sogar eines ganzen Landes - zu präsentieren.

Er sei erwartungsvoll, aber voller Respekt vor der Entscheidung der Franzosen, sagte der 57-jährige Favorit betont bescheiden in die Kameras, nachdem er am Vormittag mit seiner Lebensgefährtin Valérie Trierweiler gewählt hatte. Trotz guter Umfragewerte haben viele Sozialisten Angst, auf den letzten Metern doch noch vom konservativen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy überholt zu werden.

Der Präsident ging im schicken 16. Arrondissement in Paris in Begleitung seiner Frau Carla Bruni zur Wahl. Bei der Abstimmung ließ er ihr den Vortritt und fand Zeit, die Wahlhelfer persönlich zu begrüßen. Dass ihm das Wasser bis zum Hals steht, ließ er sich nicht anmerken. Eine Erklärung vor der Presse gab er einfach gar nicht ab.

44,5 Millionen Franzosen sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben, vor der Wahl war viel von Wahlmüdigkeit die Rede. In der Pariser Innenstadt ist davon wenig zu spüren. Im Wahlbüro Nr. 24, das nur wenige Schritte vom Eiffelturm entfernt liegt, ist die Schlange zwar nicht annähernd so lang wie die vor dem Wahrzeichen der Stadt. Doch die Leute müssen eine Weile warten, bis sie ihren Personalausweis vorzeigen und auf ihrer "carte électorale" unterschreiben können. Auf dem langen Tisch liegen auf zehn Stapeln Zettel mit den Namen der Kandidaten.

Der Wahlhelfer erinnert eine weißhaarige Dame daran, dass sie nicht nur das Papier mit dem von ihr bevorzugten Politiker mit in die Kabine nehmen darf. "Mindestens zwei, Madame", sagt er freundlich. "Den einen Zettel stecken Sie dann hinter dem Vorhang in den Umschlag und geben ihn ab, den anderen lassen Sie einfach liegen."

Wer wählt, kriegt Burger billiger

Auch im 15. Arrondissement, etwas weiter südlich, stehen die Menschen bis auf den kleinen Pausenhof der Grundschule, deren Turnhalle als Wahllokal dient. In der Gegend gibt es keine Sehenswürdigkeiten und wenig schicke Altbauten. Ein Mann hat den linksradikalen Jean-Luc Mélenchon gewählt - "einzig und allein damit Marine Le Pen nicht Dritte wird" -, eine Frau François Bayrou. Der Zentrumspolitiker verkörpere am besten die "französischen Werte", sagt sie. Ein Pärchen Ende 20 ist politisch gespalten: Sie hat François Hollande gewählt, er Sarkozy. Der junge Mann zuckt mit den Achseln. "Auch wenn's nicht hilft, hingehen muss man halt."

Landesweit zeichnete sich bis mittags ein eher geringeres Interesse der Franzosen als vor fünf Jahren ab. Nach Angaben des Innenministeriums in Paris lag die Wahlbeteiligung am Mittag bei 28,29 Prozent. 2007 hatten zum gleichen Zeitpunkt 31,21 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben.

In Paris fällt die Wahl direkt in die Frühlingsferien, in anderen Landesteilen haben die Ferien gerade begonnen beziehungsweise enden an diesem Wochenende. Dass Politiker und Demoskopen in den letzten Tagen verstärkt vor einer hohen Enthaltung gewarnt haben, hat dazu geführt, dass viele Franzosen über soziale Netzwerke und auf Twitter ihre Bekannten aufgerufen haben, doch bitte zur Wahl zu gehen. Im Blog auf der Internetseite von Le Monde schreibt ein gewisser Arnaud, dass er noch nicht wählen war. Er müsse noch Leute wachrütteln, die nicht wählen gehen wollen.

Die Aufmerksamkeit für das Thema führt aber auch zu kuriosen Werbeaktionen. Ein Fastfood-Restaurant im nordfranzösischen Roubaix etwa gewährt Kunden, die ihre abgestempelte Wahlkarte zeigen, zehn Prozent Rabatt.

François Hollande

Mit dem Rücken zur Wand