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Präsidentschaftswahl:Ein Mann der Worte gegen einen Mann der Waffen

Bolsonaro war ein paar Minuten zuvor indes auch nicht auf seinen Stichwahlgegner eingegangen, wenn man mal von der allgemeinen Kampfansage absah: "Jetzt wird nicht weiter mit dem Sozialismus, dem Kommunismus, dem Populismus und dem Linksextremismus geflirtet." Die Gräben sind in Brasilien dieser Tage viel zu tief, um sich die Hand zu reichen.

Das hängt nicht zuletzt mit einem Bericht der Zeitung Folha de S. Paulo von vergangener Woche zusammen, in dem die illegale Finanzierung einer gigantischen Fake-News-Kampagne zugunsten Bolsonaros und gegen Haddads PT enthüllt wurde. Die Autorin des Artikels, ihre Redaktion und damit auch die Pressefreiheit in Brasilien wurden seither massiv bedroht. Bolsonaro kündigte zwei Tage später "eine Säuberung" an, wie sie dieses Land noch nie gesehen habe. Zur Erinnerung: Dieses Land hat unter anderem einen Genozid gegen seine Ureinwohner hinter sich, einen weltweit beispiellosen Massenmord an schwarzafrikanischen Sklaven sowie eine über zwei Jahrzehnte währende Militärdiktatur, die Bolsonaro stets verherrlichte.

Viele Anhänger des Hochschullehrers Haddad brachten am Sonntag ihr Lieblingsbuch in die Wahlkabine mit und veröffentlichten hinterher ein Foto davon. Das war eine Anspielung auf einen Bolsonaro-Wähler, der im ersten Wahlgang die elektronische Urne mit dem Lauf einer Pistole betätigt hatte und sich voller Stolz dabei filmte. Die Waffe stellte sich hinterher als Attrappe heraus. Mit der Bücheraktion sollte aber auch demonstriert werden, worum es bei dieser Abstimmung ging: Um die Frage, ob das Land künftig von einem Mann der Worte oder einem Mann der Waffen regiert wird.

Bolsonaros Fans hoffen auf einen neuen militärischen Drill

Bolsonaro selbst ging in Rio de Janeiro wählen. Er trug dabei eine kugelsichere Weste und wurde von zahlreichen Soldaten begleitet - mit Blick auf die Messerattacke von Anfang September sicherlich aus Sicherheitsgründen. Aber es passte auch bestens zu seiner Imagepflege als Gewaltprofi.

Vor Bolsonaros Haus in Rios Stadtteil Barra da Tijuca versammelten sich am Abend Tausende seiner Fans. Viele feierten den Sieg ihres Kandidaten mit der Wahlnummer 17, indem sie 17 Liegestützen machten. Offenbar in freudiger Erwartung eines neuen militärischen Drills.

Mit den Vorboten dieses Drills machten in den vergangenen Tagen auch schon die brasilianischen Hochschulen Bekanntschaft, allerdings ging es dabei längst nicht so fröhlich zu. Einheiten der militärischen Polizei drangen in mindestens 20 öffentliche Universitäten ein, sie lösten Debatten auf, in denen es um die "Prinzipien der Demokratie" gehen sollte, fotografierten Studenten und konfiszierten Transparente, die vor dem Ausbruch des Faschismus warnten. Die Aktion wurde mit dem Hinweis auf ein Gesetz begründet, das Wahlwerbung am Wochenende der Abstimmung verbietet. Bolsonaro sagte dazu: "Die Universität ist kein Ort für Proteste."

Etwa 45 Millionen Brasilianer, die diesen Mann nicht gewählt haben, fragen sich nun nicht zu Unrecht, an welchen Orten man künftig überhaupt noch gegen den Staatspräsidenten demonstrieren darf.

Politik Brasilien Bolsonaros furchtbares Vorbild

Brasilien

Bolsonaros furchtbares Vorbild

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