bedeckt München
vgwortpixel

Präsidentenwahl in Israel:Und keiner spricht vom Frieden

103891924

Fünf Kandidaten bewerben sich um seine Nachfolge: Israels Präsident Schimon Peres

(Foto: AFP)

Üble Gerüchte und polizeiliche Ermittlungen: Israels Parlament stimmt über einen neuen Präsidenten ab, der Wahlkampf fand im politischen Sumpfgebiet statt. Um sein Lebensthema muss sich Amtsinhaber Schimon Peres wohl weiter selbst kümmern.

Ein bedeutsamer Tag für Israels Demokratie soll es werden, ein neues Staatsoberhaupt ist zu wählen an diesem Dienstag in der Knesset. Gleich fünf Kandidaten bewerben sich um die Nachfolge des 90-jährigen Schimon Peres, der nach sieben Amtsjahren ausscheidet, um sich neuen Aufgaben zuzuwenden. In seine Fußstapfen würden gern drei altgediente Politiker treten und auch zwei Quereinsteiger.

Doch das Problem bei dieser Wahl ist nicht, dass keiner von ihnen das Charisma des Alten hat, keiner seine Erfahrung oder seinen internationalen Ruf. Das Problem ist die Schlammschlacht, die im Vorhinein um das ehrwürdige Amt geführt wurde.

Der Wahlkampf verlief vorrangig im politischen Sumpfgebiet - mit bösen Gerüchten, anonymen Anschuldigungen und schließlich auch noch mit dem tatkräftigen Einsatz von Polizei und Staatsanwälten. Frühzeitig schon war der Likud-Aspirant Silwan Schalom aus dem Rennen geschieden, nachdem eine ehemalige Mitarbeiterin den Vorwurf der sexuellen Belästigung erhoben hatte.

Einer in aussichtsreicher Position wird zum Rückzug gezwungen

Noch weit größere Wellen schlug der Rückzug des alten Arbeitspartei-Haudegens Benjamin Ben-Elieser, der an diesem Wochenende - gerade einmal drei Tage vor dem Wahltag - in aussichtsreicher Position zum Rückzug gezwungen wurde.

Die Polizei hatte ihn am Freitag zum Verhör bestellt, nachdem Überweisungen eines Ölmagnaten an ihn in Höhe von mehreren Hunderttausend Dollar ruchbar geworden waren. Ben-Elieser spricht von einem Darlehen, mit dem er ein schickes Apartment mit Meerblick in Jaffa erworben habe. Die Ermittler jedoch vermuten mehr dahinter und kündigen weitere Untersuchungen an.

Nachdem kürzlich schon der frühere Premier Ehud Olmert wegen Bestechlichkeit zu einer Haftstrafe verurteilt wurde und Ex-Präsident Mosche Katzav wegen Vergewaltigung immer noch im Gefängnis sitzt, war diese Hypothek zu schwer zu tragen. Ben-Elieser warf das Handtuch und bezeichnet sich nun als Opfer einer "gezielten Hinrichtung".

Mit diesem Rückzug werden reichlich Stimmen frei im Kreis der 120 Parlamentsabgeordneten, die den neuen Präsidenten zu wählen haben. Weil sich die Arbeitspartei auf keinen gemeinsamen Kandidaten mehr einigen konnte, dürften sich die Stimmen wohl auf die anderen Bewerber verteilen. Mit einer Entscheidung im ersten Wahlgang war ohnehin nicht gerechnet worden. Doch der Kampf um einen Platz in der Stichwahl dürfte nun noch einmal spannender werden.

Papst Franziskus Papst fordert Mut von Peres und Abbas
Friedensgebet im Vatikan

Papst fordert Mut von Peres und Abbas

"Um Frieden zu schaffen, braucht es Mut": Papst Franziskus betet gemeinsam mit Palästinenserpräsident Abbas und Israels Staatschef Peres für Frieden im Nahen Osten - dabei entstehen Bilder, die das bisherige Scheitern der Politik noch schwerer hinnehmbar machen.   Von Andrea Bachstein