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Präsident Trump:Sieg des Enthemmten

Präsident Trump: Für viele ist die schlimmste Furcht zur Wirklichkeit geworden. Die USA wenden sich einer autoritären Führungsfigur zu - die Demokratie steht vor einer historischen Herausforderung.

Das war kein Wahlkampf. Das war eine nationale Krise. Und an ihrem nur vorläufigen Ende steht die größte anzunehmende Katastrophe: Donald Trump ist US-Präsident. Das Unvorstellbare ist Wirklichkeit geworden.

Ein Narzisst, ein notorischer Lügner, ein Sexist, ein Rassist, ein Chauvinist, ein Populist, ein Demagoge - vielfach belegt in diesem anderthalbjährigen Wahlkampf, so drastisch es auch klingen mag - ist nun das, was man gemeinhin mächtigster Mann der Welt nennt. Die Vorstellungskraft auch vieler Politiker reicht noch nicht aus, um die Folgen dieser Wahl abzuschätzen. Dass er die USA in gewaltige Probleme stürzen wird, ist jedenfalls keine sonderlich gewagte Vorhersage.

Wird er wirklich die Mauer zu Mexiko bauen? Wird er Muslime nicht mehr einreisen lassen? Wird er Millionen illegale Einwanderer abschieben? Wird er die USA aus der Nato herausführen? Wird er die USA wirtschaftlich und politisch isolieren?

Die Welt muss sich vor den USA mit einem solchen Präsidenten durchaus fürchten, doch diesmal löst nicht Amerikas Übermacht die Furcht aus, sondern die brutale Schwäche des Landes, verkörpert durch den oft geradezu pubertär-aggressiven Präsidenten. Trump ist die Verkörperung eines kranken Systems. Ein System, das zu lange zu viele Verlierer produziert hat.

Bequemer demokratischer Konsens

Jede Stimme für Trump war ein Faustschlag gegen das politische Establishment. Die Wähler haben sich verführen lassen von seinem Siegerimage. Trump verkörpert, dass er alles schafft, dass er sich nicht an Regeln halten muss, dass er im Zweifelsfall sogar über der Wahrheit stehen kann. Alles scheint bei ihm möglich zu werden: Ihr habt Geldsorgen? Ihr braucht drei Jobs, um über die Runden zu kommen? Nicht mehr, wenn ich Präsident bin! Ihr fürchtet euch vor Terror? Mit mir im Weißen Haus müsst ihr das nicht! Ihr findet, Latinos und Schwarze nehmen euch die Frauen weg? Das wird unverzüglich geändert!

Die Gefahr, die von Trump ausgeht, haben viele lange unterschätzt. Als er seine Kandidatur erklärte, glaubte keiner, dass Trump sich im Vorwahlkampf der Republikaner durchsetzt. Und selbst als er dann für die Partei gegen Clinton antreten durfte, glaubte niemand an eine echte Chance. Doch die Verführungskraft der Enthemmung war groß. Die Republikaner haben lange gegen die Eliten gehetzt, gegen die da oben. Es war diese Stimmung, die Trump stark gemacht hat.

Trump einfach abzulehnen, war simpel für die Weltoffenen, Liberalen, Andersdenkenden im Land. Doch aus diesem Konsens der Demokraten konnte keine Begeisterung für Clinton entstehen. Nichts Zukunftsweisendes.