Populismus Steve Bannon bei den Schweizern

  • Steve Bannon, einstiger Chefstratege von US-Präsident Donald Trump, ist in Zürich aufgetreten.
  • Die rechtskonservative Zeitung Weltwoche hatte ihn eingeladen.
  • Bei der Veranstaltung skizzierte Bannon seine Pläne für Europa.
Von Charlotte Theile, Zürich

Die Ankündigung war eine Sensation. Steve Bannon, gerade noch Chefstratege des Weißen Hauses, ließ sich von der rechtskonservativen Weltwoche nach Zürich einladen. Schon im Vorfeld gab er dem Blatt ein großes Interview, legte auf fünf Seiten seine Ansichten zu Weltpolitik, Mainstream-Medien und Honigdachsen dar. Für die Wochenzeitung von SVP-Politiker Roger Köppel, die seit Jahren Abonnenten verliert und in dem Ruf steht, nicht mehr als eine rechte Parteizeitung zu sein, war das ein Scoop.

Wochenlang verschickte man aufgeregt Updates über den bevorstehenden Besuch des Mannes, der seit er in einem Enthüllungsbuch über den Alltag im Weißen Haus ausgepackt hatte, nicht nur von Trump, sondern auch von der Homepage Breitbart verstoßen worden war. Am Montag dann holte Köppel Bannon vom Flughafen ab - eine wackelige Kamera filmte, wie die beiden auf der Rückbank einer Limousine sitzen, nach Zürich fahren und sich unterhalten. Für Köppel, der dem Gast dabei vor allem Komplimente zu seiner Bildung und seinen interessanten Ansichten macht, ist das: eine neue Folge seiner Sendung Weltwoche Daily.

Bannon entgegnete, er habe sein Leben damit verbracht, solche Interviews zu vermeiden. Es seien nur die Sympathien für die rechtskonservative SVP und die Weltwoche, die ihn in die Schweiz gebracht hätten. Am Dienstagabend dann war klar: Es ging Steve Bannon um etwas Anderes. Nicht um die Schweiz, nicht um deren "Volkspartei" und erst recht nicht um die Weltwoche.

Gut 1000 Zuschauer, die meisten haben 35 Euro Eintritt bezahlt, sind zusammengekommen, um den Mann zu sehen, der als "the devil" ankündigt worden war. Längst nicht alle hier sehen den 64-jährigen Journalisten als großartigen "Architekten hinter Trumps unglaublichem Wahlsieg", wie Gastgeber Köppel ihn nennt. Viele sind einfach neugierig, wie der Mann so ist.

Und Steve Bannon? Bannon spricht vom Brexit. Von den wenigen Stunden, in denen sich für Großbritannien alles änderte, von Nigel Farage, der dem Rechtsaußen-Netzwerk Breitbart noch am Morgen seinen Dank aussprach.

Bannons erster Auftritt in Europa

Es war Bannons erster Auftritt in Europa - doch der sollte klarmachen: Steve Bannon ist schon lange hier. Alle populistischen Bewegungen, egal ob in Italien, Ungarn, Polen oder der Schweiz gehörten doch zusammen, fand Bannon. Köppel widersprach ihm nicht. Auch nicht als dieser den 77-jährigen SVP-Strategen Christoph Blocher als "Trump before Trump" lobte und erklärte, es habe vielleicht alles in der Schweiz seinen Anfang genommen, damals 1992, als das Land entschied, sich aus dem Projekt Europa herauszuhalten.

Bisher hatte die SVP stets darauf bestanden, weder mit Populisten in den Nachbarländern noch mit Trump etwas zu tun zu haben. Jetzt aber wurde begeistert geklatscht, wenn Bannon von den großartigen Errungenschaften von "Doktor Blokker" sprach.

Emotionale Ausnahmezustände konnte Bannon bei seinem Schweizer Publikum trotzdem nicht erwarten. Anders als die Minen-Arbeiter im mittleren Westen konnten die Zuhörer in Zürich mit seinen Tiraden gegen Banken und große Unternehmen wenig anfangen. "Die Elite von Davos" ist kein abstraktes Feindbild, im Gegenteil. Köppel und einige andere, die oben auf den Sponsoren-Sitzen des Efficiency-Club saßen, waren vor einigen Wochen Gäste beim Weltwirtschaftsforum Davos. Jetzt klatschten sie höflich für einen Mann, der den Untergang ihres Reichtums herbeiwünschte.

Kriegerische Rhetorik war vielen nicht geheuer

Ohnehin schien die kriegerische Rhetorik Bannons vielen Zuhörern nicht ganz geheuer. Geht es wirklich darum, dass eine Weltsicht die andere besiegt? Steht der Showdown kurz bevor? Wie wichtig ist das Konzept Staatsbürgerschaft? Und nutzen Bannon und Trump nicht viel mehr Unzufriedenheiten aus, um Hass und Zwietracht zu sähen? Einigen dieser Fragen begegnete Bannon bei der offenen Fragerunde - meistens mit Rückgriff auf frühere Kriege und Seitenhieben gegen "die Clinton-Mafia". Viele andere wurden nicht gestellt.

Roger Köppel, der von Bannon als "crazy right winger" aufgezogen wurde, grenzte sich nur in einem Punkt von seinem Gast ab: Protektionismus auf diesem Level sei "ökonomischer Selbstmord", das könne nicht gut gehen, sagte der Politiker. Dann beendete er das Podium pünktlich.

Bannons Tour durch Europa aber dürfte schon bald weiter gehen. Eine weitere Einladung könnte bald aus Ungarn kommen: Dessen Ministerpräsidenten Viktor Orban lobte Bannon als "great patriot and great hero".

Früherer Trump-Berater redet sich um Kopf und Kragen

Weil Sam Nunberg für Trump Wahlkampf machte, interessiert sich Robert Mueller für ihn. Doch Nunberg will nicht mit dem Sonderermittler kooperieren - und spottet in Interviews über Trump. Im Ernstfall droht ihm Gefängnis. Von Matthias Kolb mehr...