Populismus in Europa Nigel Farage, der britische Dauergrinser

Nigel Farage ist grundsätzlich gut gelaunt. Sein legendär breites Dauergrinsen hat er nur einmal kurz im Jahr 2010 verloren: Da hatte er gerade den Absturz eines Flugzeugs überlebt, das mit einem Werbebanner für die UK Independence Party (Ukip), deren Chef er ist, über Northamptonshire kreisen sollte. Doch schon nach wenigen Tagen war das Grinsen wieder fest in sein Gesicht gegraben, und in diesen Tagen ist es breiter denn je. Das liegt daran, dass seine europakritische Partei bei den Europawahlen stärkste Kraft in Großbritannien geworden ist.

Das Hauptanliegen der Ukip ist der schnellstmögliche Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union. Der 50 Jahre alte Farage zählte 1992 zu den Gründungsmitgliedern von Ukip und wurde in der britischen Politik lange belächelt. Das hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Unter den Konservativen um Premierminister David Cameron herrscht große Sorge, weil Ukip-Wähler mehrheitlich aus dem konservativen Lager kommen.

Dass diese am 22. Mai für Ukip gestimmt haben, können die Tories verschmerzen, weil Europawahlen auf der Insel nicht sonderlich ernst genommen werden. Die Konservativen fürchten jedoch, dass ihnen bei der Parlamentswahl 2015 in umkämpften Wahlkreisen die entscheidenden Stimmen fehlen könnten, wenn Ukip weiterhin erfolgreich in ihrem Lager fischt. Nicht zuletzt um eine Abwanderung der Stammwähler zu verhindern, hat Cameron Anfang 2013 eine Volksabstimmung über die EU-Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs für 2017 angekündigt.

Farage ist Cameron in herzlicher Abneigung verbunden, seitdem der Premier die Ukip-Mitglieder als "Spinner, Irre und heimliche Rassisten" bezeichnet hat. Nie werde er mit Cameron zusammenarbeiten, sagte er. Allerdings hat Farage auch gesagt, er werde "einen Handel mit dem Teufel" schließen, wenn dieser das Land aus der EU führe. Nach dem großen Erfolg von Ukip bei den Europawahlen könnten die Konservativen so besorgt sein, dass sie sich 2015 beim Aufstellen von Kandidaten mit den Rivalen absprechen. Farage würde sich mit Freude darum bitten lassen - er wäre dann endlich wirklich wichtig im Land.

Nigel Farage, der Chef der Ukip-Patei.

(Foto: Facundo Arrizabalaga/dpa)

Seit 1999 ist Farage Abgeordneter im EU-Parlament; er fiel dort anderem dadurch auf, dass er Ratspräsident Herman van Rompuy das "Charisma eines nassen Lappens" bescheinigte. Seine Abneigung gegen die EU hielt ihn nicht davon ab, seine deutsche Ehefrau in seinem Brüsseler Büro anzustellen und aus EU-Mitteln zu bezahlen. Außer der EU ist Farage die Windenergie ein Dorn im Auge, weil er findet, dass Windräder die britische Landschaft verschandeln.

Er tritt für deutlich strengere Einwanderungsgesetze ein und dafür, dass in Pubs in abgetrennten Räumen wieder geraucht werden darf, was damit zusammenhängen mag, dass Farage selbst Raucher ist. Zuletzt machte er von sich reden, indem er sagte, er habe mehr Respekt für den russischen Präsidenten Wladimir Putin als "für die Kinder, die an der Spitze Großbritanniens stehen". Christian Zaschke, London