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Populismus in Europa:Geert Wilders, der niederländische Islamfeind

Geert Wilders schien alles richtig gemacht zu haben. Im Herbst hatte der Anführer der Partei für die Freiheit (PVV) ein spektakuläres Bündnis mit Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National und weiteren populistischen Gesinnungsgenossen geschlossen. Gemeinsam wollen sie die EU von innen aushöhlen.

Die Islamfeindschaft, mit der er bekannt wurde, hatte Wilders aus taktischen Gründen ein wenig zurückgestellt. Das neue Feindbild heißt Europa, und damit kommt der 50 Jahre alte blondgefärbte Politiker gut an bei seinen Landsleuten, die zunehmend skeptisch gen Brüssel schauen.

Umfragen sahen die PVV schon auf Platz eins bei der Europawahl. Dann folgte der 19. März: Nach der Kommunalwahl hatte Wilders Anhängern in Den Haag zugerufen: "Wollt ihr in dieser Stadt und in den Niederlanden mehr oder weniger Marokkaner?" Das Publikum johlte "weniger, weniger", woraufhin Wilders versicherte: "Das werden wir dann regeln." Das Land heulte auf: Diesmal sei Wilders zu weit gegangen, habe die Grenze zur Hetze überschritten, die ihm bisher vor Gericht noch nicht nachgewiesen werden konnte. Es gab Protest-Gottesdienste und Hunderte Strafanzeigen.

Die kalkulierte xenophobe Attacke hat den Blick auf Wilders geändert. Bisher hatten es die etablierten Parteien vermieden, ihn zu dämonisieren - aus Angst, ihn zum Märtyrer zu machen und dadurch noch mehr Wähler an die PVV zu verlieren. Nun bleibt nur harte Konfrontation. Selbst der rechtsliberale Ministerpräsident Mark Rutte, dessen Regierung sich vor Jahren noch von Wilders helfen ließ, schloss eine künftige Zusammenarbeit aus, "solange dies die Standpunkte der PVV sind". Von Wilders' Äußerungen habe er einen "schlechten Geschmack im Mund".

Strafanzeigen gegen Wilders

Geert Wilders ist das Gesicht der niederländischen "Partei für die Freiheit".

(Foto: dpa)

Auch in den eigenen Reihen waren manche nicht bereit, diesen Radikalisierungsschritt Wilders' mitzugehen. Zwei Abgeordnete verließen die PVV-Fraktion im Parlament, die designierte Spitzenkandidatin für die Europawahl trat zurück, in der Provinz Friesland verließen zwei Fraktionsmitglieder die Partei. Von einer echten Meuterei allerdings konnte nicht die Rede sein. Hartgesottene Anhänger freuten sich vielmehr, dass Wilders keinen Grund sah, sich für "die Wahrheit" zu entschuldigen. Die Wähler sahen das anders: Die PVV wurde nicht die stärkste Partei, sondern kam nur auf Platz vier.

An seinen Zielen hat sich nichts geändert: Wilders will nicht nur den Euro abschaffen, sondern die ganze EU. Wirtschaftlich lohne sich das allemal für die Niederlande, sagt er. Damit spricht er noch immer vielen aus der Seele - auch wenn sie seine Fremdenfeindlichkeit vielleicht nicht teilen. Thomas Kirchner

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