Populismus in Europa Harald Vilimsky, der österreichische Einzelkämpfer

Eigentlich war eine Doppelspitze geplant gewesen: der Dampfplauderer, Rechtsausleger und EU-Parlamentarier Andreas Mölzer, und der weniger bekannte, rhetorisch weniger begabte, aber auch weniger radikale Generalsekretär Harald Vilimsky. Es ist alles anders gekommen, weil die rechtspopulistische FPÖ ihren Frontmann Mölzer aus der ersten Reihe abziehen musste. Er hatte denn doch ein wenig zu viel über das "Negerkonglomerat" Europäische Union geredet und darüber, dass es selbst im Dritten Reich weniger Regeln und Bürokratie gegeben habe als in Brüssel.

Plötzlich begannen die Medien auch intensiver zu berichten, was für eine untätige Pflaume Mölzer im EU-Parlament in der vergangenen Legislaturperiode tatsächlich gewesen war. Und so wurde der Plan von Parteichef Heinz-Christian (HC) Strache, mit seiner Doppelspitze die ganz rechten sowie die moderaten FPÖ-Wähler zu erreichen, vom eigenen Mann torpediert. Mölzer wurde zurückgetreten.

Geschadet hat das der FPÖ nicht: Bei der Europawahl legte sie deutlich zu und kam auf 20,5 Prozent, das sind 7,8 Prozentpunkte mehr als bei der vergangenen Europawahl. Das ist viel, aber dann auch nicht wieder so viel. Denn die FPÖ wurde damit drittstärkste Kraft hinter den Regierungsparteien ÖVP und SPÖ; Demoskopen hatten einen Dreikampf um den besten Platz vorhergesagt.

Bei dem FPÖ-Spitzenkandidaten Harald Vilimsky handelt es sich um einen eher umgänglicher Wiener, mit dem man lange Smalltalk machen kann, bevor man merkt, aus welcher politischen Ecke er kommt. Mit Europa-Politik hatte der 47-Jährige im österreichischen Nationalrat bislang eher am Rande zu tun; er saß zwar im Unterausschuss EU, war aber in den vergangenen Jahren als Innenpolitiker hervorgetreten.

Harald Vilimsky ist nun alleiniger Spitzenkandidat der FPÖ.

(Foto: Imago Stock&People)

Vilimsky, ein kantiger, grobknochiger Mann mit straff zurückgegeltem Haar, hatte sich als Verfechter von Law and Order schon mal mit einem Taser, einer Elektroschock-Pistole, beschießen lassen, um zu demonstrieren, dass das Gerät im Einsatz gegen renitente Häftlinge mindestens genauso harmlos sei wie gegen einen FPÖ-Parlamentarierer. Ganz offenbar funktionierte der Demonstrationseffekt nur bedingt, Vilimsky soll sich schmerzgekrümmt auf dem Fußboden gewälzt haben.

Der gelernte PR-Berater ist ein enger Vertrauter von HC Strache. Der hatte ihn vor etwa 20 Jahren in seiner Zeit in der Wiener Lokalpolitik kennengelernt, wo der junge Vilimsky Verkehrssprecher war. Er stieg mit Strache auf, folgte diesem in das Bundesparlament, wurde Generalsekretär. Den Job teilt er sich mit dem smarten und wendigen Herbert Kickl, der für die Öffentlichkeitsarbeit der Partei zuständig ist und als der skrupellosere von beiden gilt. Vilimsky, sicher kein Intellektueller, sondern eher Straches Mann fürs Grobe, kann aber durchaus ideologisch und rüde werden, wenn er von "Negativ-Zuwanderung" träumt oder gegen Asylmissbrauch hetzt.

Der engagierte Biker hat sich gleichwohl weniger als Strache, Kickl oder der frühere FPÖ-Übervater Jörg Haider als Scharfmacher betätigt. Gut möglich, dass das schlicht daran lag, dass er seltener im Rampenlicht stand. Gut möglich aber auch, dass sich der neue Spitzenkandidat der FPÖ für den EU-Wahlkampf tatsächlich manchmal ein wenig anstrengen musste, um so lässig und scheußlich radikal daherzureden wie sein Freund und Parteichef HC Strache.

Was Vilimsky in die Europa-Politik treibt, haben sich viele Beobachter gefragt - und zwei Antworten gegeben: Zum einen war es für den FPÖ-Chef durchaus nützlich gewesen, neben dem schwer kontrollierbaren Rechtausleger Mölzer ein moderateres Pendant in den Wahlkampf zu schicken - wie sich spätestens bei Mölzers Abgang bewies. Außerdem heißt es, wolle Vilimsky endlich aus dem Schatten der Männer, die ihn seit Jahren umgeben und fördern, heraustreten.

In jedem Fall plant die FPÖ im Europaparlament eine enge Kooperation mit dem Front National und dem Vlaams Blok. Dort wird sich Vilimsky sicher weiter als Gegner jener Miganten erweisen, die eine "unzumutbare Last für die Sozialsysteme" seien, und einem Einwanderungsstopp das Wort reden.Das hat er geübt, diesen Text kann er, ob in Wien oder Brüssel, im Schlaf aufsagen. Cathrin Kahlweit, Wien