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Pompeos Europareise:Wo Trump Vorbild ist

Wegen Streits mit der EU setzen Polen oder Ungarn auf die USA.

Von Viktoria Großmann

Europäische Verbündete finden die USA zur Zeit wohl am leichtesten in den ehemals sozialistischen Ländern. Dort haben sich in den vergangenen Jahren Regierungschefs oder Präsidenten durchgesetzt, denen Donald Trumps Populismus offenbar zum Vorbild taugt. Der wieder gewählte polnische Präsident Andrzej Duda holte sich noch kurz vor der Wahl im Juli in Washington Trumps Segen, der tschechische Premier Andrej Babiš, einer der reichsten Männer des Landes, wettert gegen Presse und Eliten und schweigt sich über mögliche Gewinne aus von ihm gegründeten Firmen aus.

Es geht also wohl nicht nur um gemeinsames Gedenken an das Kriegsende vor 75 Jahren, wenn US-Außenminister Mike Pompeo bei seiner Europareise nun Tschechien, Polen, Österreich und Slowenien, das Geburtsland von First Lady Melania Trump, besucht. Polen und Tschechien haben erhebliche Probleme mit der EU und sehen sich nach Freunden außerhalb dieser um. Für Pompeo eine Gelegenheit, die EU noch etwas tiefer zu spalten.

Kritikern der Regierungen in Polen und Tschechien bereitet diese Nähe zu den USA Sorgen. Sie hoffen auf eine Niederlage Trumps bei der Wahl im Herbst, weil das auch politische Veränderungen in ihren Ländern bringen könnte. Dann, wenn die USA wieder ein erwünschtes Vorbild werden.

© SZ vom 12.08.2020
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