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Polizistenmorde in Dallas:Obama: "Die USA sind nicht gespalten"

US-Präsident Barack Obama beim Nato-Gipfel in Warschau

US-Präsident Barack Obama bei der Pressekonferenz zum Abschluss des Nato-Gipfels in Warschau.

(Foto: AP)
  • Nach den Polizistenmorden in Dallas beschwört Präsident Barack Obama die Einheit der USA und bezeichnet den Heckenschützen als "verrückten Einzeltäter".
  • Zwei Tage nach den Angriffen ging eine Drohung bei der Polizei von Dallas ein. Spezialeinheiten konnten aber keinen Verdächtigen finden.
  • Den Täter Micah Xavier Johnson besaß paramilitärische Waffen und soll den Angriff vorab geübt haben.

Anonyme Drohungen gegen die Polizei von Dallas

Nach erneuten Drohungen konnte die Polizei von Dallas inzwischen Entwarnung geben. Zwei Tage nach den Polizistenmorden in Dallas hatte ein neuer Sicherheitsalarm die Polizei und Bewohner der texanischen Großstadt aufgeschreckt. Ein Teil des örtlichen Polizeihauptquartiers wurde nach einer anonymen Drohung abgesperrt. Lokale Medien berichteten von einem maskierten Mann, der sich in einer Parkgarage hinter der Zentrale aufgehalten habe. Nach Angaben der Zeitung Dallas Morning News waren Eliteeinheiten der Polizei im Hauptgebäude im Einsatz. Sie konnten jedoch keine verdächtige Person finden.

Obama: Heckenschütze war ein "verrückter Einzeltäter"

Kurz zuvor hatte Präsident Barack Obama die Einheit der Nation beschworen und seine Landsleute aufgerufen, nach vorn zu blicken. "Ich glaube fest daran, dass Amerika nicht so gespalten ist, wie einige es dargestellt haben", sagte Obama am Samstag während des Nato-Gipfels in Warschau. "Der verrückte Einzeltäter, der die Angriffe in Dallas ausführte, steht genauso wenig für die Afroamerikaner wie der Schütze in Charleston für weiße Amerikaner oder der Schütze in Orlando oder San Bernardino für muslimische Amerikaner steht."

Obama sprach von einer "schmerzhaften" Woche, betonte aber zugleich, dass "die Taten von Einzelnen nicht für uns alle stehen dürfen". Schwarze verurteilten die Polizistenmorde und Weiße die Polizeigewalt gegen Schwarze, sagte er auf einer Pressekonferenz.

Anfang der Woche wird der Präsident in Dallas erwartet. Er verkürzte wegen des geplanten Besuchs eine Spanien-Visite nach dem Nato-Treffen in Warschau und wollte am Sonntagabend nach Washington zurückkehren.

Täter besaß paramilitärisches Material

Unterdessen gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass Micah Xavier Johnson sein Verbrechen sorgfältig vorbereitet hatte. So soll er den Angriff im Garten seines Wohnhauses geübt haben. Das geht nach Medienberichten aus einem Tagebuch hervor, das in seiner Wohnung gefunden wurde.

Als wahrscheinliches Motiv des Dallas-Schützen gilt Hass auf Weiße. In diese Richtung deuten Äußerungen des Mannes bei Verhandlungen mit Polizisten vor seinem Tod und Facebook-Einträge, in denen Johnson Sympathien für schwarze Extremistengruppen bekundete. Die Polizei fand nach eigenen Angaben zudem in seiner Wohnung jede Menge Waffen und paramilitärisches Material - auch zum Bombenbau - sowie Schutzwesten, Munition und ein Handbuch für den bewaffneten Kampf. Außerdem seien afro-nationalistische Schriften aufgetaucht.

Johnson hatte in der Nacht zum Freitag während einer Demonstration gegen Polizeigewalt aus dem Hinterhalt geschossen und dabei nicht nur die fünf Polizisten getötet, sondern auch fünf weitere Beamte und zwei Zivilisten verletzt. Zwei Beamte befanden sich nach Angaben des Senders MSNBC am Samstag noch im Krankenhaus.

© SZ.de/dpa/afp/Reuters/harl/cag

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