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Polizisten- und Döner-Morde:Spuren einer Braune-Armee-Fraktion

Jahrelang tappten die Ermittler im Dunkeln, jetzt sind die Drahtzieher der Polizisten- und der sogenannten Döner-Morde klar: drei mutmaßliche Neonazis. Das Trio war nicht allein, sondern erhielt Unterstützung aus der rechtsextremen Szene. Die Täter fotografierten ihre Opfer und drehten Videos mit faschistischen Inhalten. Es sind Spuren in ein weiteres verzweigtes braunes Milieu - die Polizei erhofft sich nun auch Aufklärung über weitere mysteriöse, ungesühnte Gewaltverbrechen in Deutschland.

Nach der spektakulären Wende im Fall der Polizisten- und Döner-Morde prüfen Ermittler in ganz Deutschland nun mögliche Verbindungen rechtsradikaler Gruppen zu weiteren ungeklärten Anschlägen. Erst am Freitag wurde die Tatwaffe bei einem Bankräuber-Trio aus Sachsen gefunden, das für alle Mordfälle verantwortlich gemacht wird. Jedoch hatten die drei mutmaßlich rechtsextremistischen Drahtzieher offenbar Untertützung.

Bundesanwalt ermittelt zu Polizistenmord und Döner-Morden

Bundesanwalt ermittelt zu Polizistenmord und Döner-Morden: Im Rahmen der Ermittlungen zum Heilbronner Polizistenmord untersucht die Polizei mögliche Verbindungen zu ungeklärten Anschlägen in Nordrhein-Westfalen. Mit diesen Fotos aus einer Überwachungskamera sucht die Polizei in Köln nach dem Bombenanschlag nach einem zweiten Mann (Archiv vom Juni 2004)

(Foto: dpa)

Ein 37-Jähriger aus Niedersachsen hat den Verdächtigen vor Jahren seinen Personalausweis überlassen. Wie das Nachrichtenmagazin Focus berichtet, soll damit das Wohnmobil angemietet worden sein, in dem sich die zwei Männer am 4. November bei Eisenach laut Polizei erschossen hatten. Mit dem Ausweis des Niedersachsen hatten die Männer auch 2007 ein Wohnmobil gemietet, mit dem sie unterwegs waren, als sie in Heilbronn eine 22-jährige Polizistin erschossen haben sollen. Der Unterstützer aus Lauenau bei Hannover soll ebenso wie die Verdächtigen in Jena geboren und zumindest zeitweise Kontakte in die rechtsradikale Szene gehabt haben.

Der Mann wurde dem Bericht zufolge bereits wenige Stunden nach dem Fund der beiden Leichen von der Polizei in Gewahrsam genommen und verhört. Hinter dem Heilbronner Polizistenmord und den sogenannten Döner-Morden an acht türkischen und einem griechischen Kleinunternehmer in ganz Deutschland steckt wohl die gleiche Gruppe rechtsextremer Täter.

Nach den bisherigen Erkenntnissen hatten die Männer und ihre 36-jährige Gefährtin Beate Z. in den 1990er-Jahren Verbindungen zum rechtsextremen "Thüringer Heimatschutz". 1998 verschwand das Trio dann aber vom Radar der Verfassungsschützer.

Die Verbindung fanden die Ermittler vergangenen Woche in einem abgebrannten Haus im sächsischen Zwickau, in dem die drei mutmaßlichen Bankräuber jahrelang unerkannt gelebt hatten. Dem Trio gehörten die beiden Männer an, deren Leichen in Eisenach in dem Wohnmobil gefunden wurden, und Beate Z., die sich inzwischen der Polizei stellte. Die Dienstwaffen der Heilbronner Polizisten wurden vor einer Woche in dem Wohnmobil bei Eisenach gefunden.

Fotos von den Opfern

In ihrer Wohnung in Zwickau fanden Ermittler die Pistole, mit der die Döner-Morde verübt worden waren. Zudem entdeckten sie rechtsextreme Propaganda-Videos. Diese beziehen sich auf eine Gruppe mit dem Namen "Nationalsozialistischer Untergrund" und enthalten unter anderem Bilder von Opfern der sogenannten Döner-Morde. Die Bilder zeigten mindestens drei Männer unmittelbar nach ihrer Hinrichtung, berichtete der SWR-Hörfunk unter Berufung auf Ermittlungskreise. Es sei wahrscheinlich, dass die Bilder von den Tätern selbst gemacht worden seien. Die Propagandavideos seien nicht veröffentlicht worden, es seien aber voradressierte Umschläge an verschiedene Medien sowie islamische Vereine gefunden worden, die offenbar zum Versand der DVDs dienen sollten.

Nun untersucht die Bundesanwaltschaft bei weiteren ungeklärten Verbrechen mögliche Verbindungen zu rechtsextremen Tätern, etwa in Nordrhein-Westfalen. "Wir prüfen auch, ob in diesem Zusammenhang weitere Straftaten in NRW begangen worden sind", sagte Innenminister Ralf Jäger (SPD). Nach Informationen der Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung vom Samstag geht es dabei um einen Nagelbombenanschlag in einer überwiegend von Türken bewohnten Straße in Köln im Jahr 2004 sowie um einen Anschlag auf jüdische Aussiedler an einer S-Bahn-Haltestelle in Düsseldorf im Jahr 2000. "Wir gehen allen Hinweisen nach", sagte ein Sprecher des Innenministeriums zu dem Bericht.

Der innenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU), sagte der Mitteldeutschen Zeitung: "Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich aus all dem noch ein Verfassungsschutzproblem ergibt." Möglicherweise habe der Geheimdienst mehr über die Hintergründe der Taten gewusst, als bisher bekannt sei.

Einheimischer Terrorismus