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Polizeigewalt in den USA:Obama in Dallas: "Wir sind nicht so gespalten, wie wir scheinen"

George W. Bush, Michelle Obama, Barack Obama

George W. Bush, Michelle Obama und Barack Obama bei der Gedenkfeier in Dallas.

(Foto: AP)
  • US-Präsident Barack Obama hat bei einer Gedenkzeremonie in Dallas der fünf getöteten Polizisten gedacht.
  • Mehrere Politiker wie George W. Bush und auch der Polizeichef von Dallas, David Brown, hielten eine Rede.
  • Sie appellierten an die Einheit der USA.
  • Die fünf Cops waren vergangene Woche während eines Protests gegen die Tötungen schwarzer Männer durch Polizisten erschossen worden.

Nach den jüngsten tödlichen Fällen von Polizeigewalt gegen Schwarze und der Ermordung von fünf Polizisten bemühen sich die USA um Einheit. Zorn und Trauer sitzen tief - das zeigt auch die Gedenkfeier für die Polizisten in Dallas. Eine ganze Riege an großen Persönlichkeiten von George W. Bush über Dallas-Polizeichef David Brown bis hin zu US-Präsident Barack Obama versammelt sich - und alle bemühen sich um versöhnliche Gesten und Worte.

Die USA seien ein Land, hätten eine gemeinsame Zukunft und ein gemeinsames Schicksal, appelliert Ex-Präsident Bush an die Zuhörer. Es scheine manchmal so, "als ob die Kräfte, die uns auseinanderziehen, stärker sind als die Kräfte, die uns zusammenbinden", sagt Bush, der auch in Dallas wohnt.

Der Republikaner betont im Hinblick auf Rassismus, Vorurteile und eine zunehmende Spaltung der Bevölkerung: "Zu oft beurteilen wir andere Gruppen anhand ihrer schlechtesten Beispiele, während wir bei uns selbst immer von den besten Absichten ausgehen." In Richtung der Angehörigen der Opfern sagt Bush: "Wir können nicht erklären, warum euch das passiert ist. Wir können nur an eurer Seite stehen."

Stevie Wonder als Tröster

Als der Polizeichef von Dallas, David Brown, auf die Bühne tritt, wird minutenlag für ihn geklatscht. In seiner Rede zitiert der Afroamerikaner einen Stevie-Wonder-Liedtext, um den Angehörigen der Opfer seine Liebe auszurücken, wie er sagt.

US-Präsident Obama würdigt in seiner Rede die Rolle der Polizei in den USA. "Wir haben in unseren Straßen keine Soldaten oder Milizen", sagt Obama - "sondern öffentlich Bedienstete." In dem Moment, in dem die Polizisten die Uniform anziehen, "haben sie die Frage mit Ja beantwortet, ob sie ihr Leben aufs Spiel setzen". Es scheine so, als hätten die tödlichen Schüsse auf die Beamten "die tiefste Bruchlinie unserer Demokratie" entblößt, sagt der Regierungschef.

"Wir müssen der Verzweiflung widerstehen"

Obama kritisiert zudem die Vielzahl an Waffen im Land. "Wir fluten unsere Städte mit Waffen. Für Kinder ist es leichter, eine Glock-Pistole in die Hand zu bekommen als ein Buch oder einen Computer."

Die USA seien auf der Herrschaft des Rechts begründet. "Wir versuchen, in unserem Leid irgendeinen Sinn zu sehen", so Obama. Und er appelliert: "Gegen alle Wahrscheinlichkeit sind wir schon so weit miteinander gekommen. Wir müssen der Verzweiflung widerstehen. Wir sind nicht so gespalten, wie wir scheinen."

Die fünf Beamten waren während eines Protests gegen die Tötungen schwarzer Männer durch Polizisten in den US-Staaten Louisiana und Minnesota erschossen worden. Neun Beamte und zwei Zivilisten wurden bei dem Angriff verletzt. Der Täter sagte, er habe die Tötungen von Schwarzen durch die Polizei rächen wollen.

© Sz.de/ap/lalse/mati

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