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Polizeigewalt in den USA:Frau des erschossenen Schwarzen filmte Polizeieinsatz in Charlotte

Eine Szene aus dem Video.

(Foto: AFP)

Auf einem Video ist zu hören, wie die Ehefrau von Keith L. Scott die Polizei anfleht, bevor ihr Mann erschossen wird: "Er trägt keine Waffe bei sich."

Der jüngste Fall von Polizeigewalt gegen einen Schwarzen hat in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina eine Debatte über die Veröffentlichung von Videos ausgelöst. Zunächst ging es um ein Polizeivideo, doch jetzt sind Aufnahmen der Ehefrau des Getöteten aufgetaucht.

Sie filmte offenbar das Zusammentreffen ihres Mannes, Keith L. Scott, mit der Polizei mit ihrem Handy. Die tödlichen Schüsse sind auf der Aufnahme nur zu hören, denn es wurde aus großer Distanz aufgenommen. Zudem ist das Flehen von Rakeyia Scott in Richtung der Polizisten zu hören. Sie fordert: "Erschießen sie ihn nicht."

Das Video wirft Fragen auf

Der Dienstag ist ein sonniger Nachmittag. Mehrere Polizeiwagen blockieren mit ihren Fahrzeugen die Straße vor einer Wohnanlage. Sie sind gekommen, weil sie einen Haftbefehl vollstrecken wollen. Auf dem Parkplatz vor dem Gebäude verlässt Keith L. Scott gerade sein Auto. Der Einsatz gilt nicht ihm, sondern einem unbeteiligten anderen Mann. Trotzdem gerät er ins Visier der Polizisten. Weil er eine Waffe in der Hand hält, wie es später der Polizeichef der Stadt in einer Pressekonferenz berichten wird. Nach Angaben seiner Familie und seiner Nachbarn trug Scott ein Buch und wartete auf den Schulbus, um seinen kleinen Sohn abzuholen.

Auf dem Material, das Scotts Familie der New York Times überlassen hat, sind diese Szenen nicht zu sehen. Die Aufnahme setzt ein, als eine männliche Stimme ruft: "Hände hoch! Lassen Sie die Waffe fallen." Dasn Handy nähert sich einem Polizeifahrzeug. Gehalten wird es von Rakeyia Scott, der Ehefrau des Angesprochenen. Sie will ihm offenbar gerade ein Ladegerät für sein Telefon bringen.

Sie spricht die Beamten an: "Erschießen Sie ihn nicht. Er hat keine Waffe. Er hat keine Waffe. Erschießen Sie ihn nicht." Sie führt weiter aus, ihr Mann habe ein Schädel-Hirn-Trauma ( traumatic brain injury). Er werde den Beamten nichts tun und hätte gerade seine Medikamente genommen.

Die Polizisten reagieren nicht auf sie. Sie fordern Keith L. Scott, der inzwischen wieder in seinem Auto sitzt, erneut mehrmals lautstark auf, seine Waffe fallen zu lassen. Ein Polizist sucht nach einem Schlagstock. Währenddessen redet Rakeiya auf ihren Mann ein. "Komm aus dem Wagen. Keith, steig aus!" Zudem sagt sie mehrfach "Keith, mach das nicht". Was damit gemeint ist, ist auf der Aufnahme nicht zu sehen.

Dann fallen Schüsse, ein Mann liegt regungslos am Boden. Es ist Keith L. Scott. Rakeyia Scott fragt: "Verdammt. Habt ihr ihn erschossen? Ich hoffe, er ist nicht tot." Er stirbt am selben Tag an seiner Schussverletzung.

Zweites Video nicht veröffentlicht

Es gibt auch ein Video eines Polizisten vom Tatort, dieses wurde allerdings bislang nicht veröffentlicht. Die Polizei erklärte, dass darauf ebenfalls nicht eindeutig erkennbar sei, ob der 43-Jährige eine Waffe bei sich trug. Angehörige des Opfers konnten die Video-Aufnahmen ansehen. Anwälte der Familie sagten aber, dies habe bei ihnen "mehr Fragen als Antworten" ausgelöst. Im Video sei keine Schusswaffe zu sehen.

Der Tod des Afroamerikaners hat eine Welle von Protesten gegen Polizeigewalt ausgelöst, die auch in Gewalt eskalierten. Nachts herrscht in Charlotte eine Ausgangssperre, der Notstand wurde ausgerufen und die Nationalgarde mobilisiert.

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Unsere Autorin ist Journalistin in den USA. Vor zwei Jahren kam sie für eine Recherche nach Charlotte - in eine tief gespaltene Stadt.   Von Claire Williams