Caracas (dpa) - Nach der mutmaßlichen Verschleppung des prominenten venezolanischen Oppositionspolitikers Juan Pablo Guanipa hat dessen Sohn einen sofortigen Lebensnachweis seines Vaters gefordert. Guanipa soll nach Angaben von Angehörigen und Partei wenige Stunden nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis von schwer bewaffneten Männern in Zivil abgefangen und mitgenommen worden sein. „Sie haben nur ihn mitgenommen, und seitdem wissen wir nicht, wo er ist“, sagte Sohn Ramón Guanipa auf einer Pressekonferenz. Es müsse unverzüglich nachgewiesen werden, dass sein Vater noch lebe.
Auch Oppositionsführerin María Corina Machado, die Ende vergangenen Jahres den Friedensnobelpreis erhalten hatte, hatte von einer „Entführung“ gesprochen und seine sofortige Freilassung gefordert.
Staatsanwaltschaft verweist auf Auflagen
Die venezolanische Staatsanwaltschaft teilte ihrerseits mit, sie habe die Festnahme Guanipas beantragt, da er gegen Auflagen verstoßen habe. Weitere Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt. Guanipa hatte nach seiner Freilassung bei einer Kundgebung vor Medien auch die Entlassung weiterer Gefangener gefordert.
Ramón Guanipa wies die Vorwürfe zurück, sein Vater habe gegen Bedingungen der Freilassung verstoßen. Die Entlassungsbescheinigung sehe lediglich eine Meldepflicht alle 30 Tage sowie ein Ausreiseverbot vor. „Sprechen, vor den Medien eine Meinung äußern oder Angehörige politischer Gefangener zu begleiten, kann nicht als Verbrechen angesehen werden“, sagte er.
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Guanipa, der Vorsitzende der Partei „Primero Justicia“, war im Mai 2025 festgenommen worden. Die Regierung des damals noch amtierenden autoritären Staatschefs Nicolás Maduro warf ihm vor, Terroranschläge geplant zu haben, um die Parlaments- und Regionalwahlen zu stören.
Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Foro Penal gibt es in dem südamerikanischen Land rund 800 politische Häftlinge. Viele waren bei den Protesten gegen die von Betrugsvorwürfen überschatteten Wiederwahl Maduros 2024 festgenommen worden.
Wenige Tage nach der Intervention der USA und der Festnahme Maduros Anfang Januar kündigte die Regierung der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez die Freilassung einer großen Zahl venezolanischer und ausländischer Gefangener an.
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