Politiker und Plagiate:Niedere Beweggründe?

Kritiker der anonymen Plagiatsjagd im Netz sehen in der bezahlten Suche wie etwa bei PolitPlag einen Fortschritt. "Das sind vielleicht niedere Beweggründe, die zur Auswahl der Ziele führen, aber schuldig bleibt schuldig", sagt der Plagiatsrechtsexperte Volker Rieble. Auch wenn die Jäger sich anheuern ließen, erzielten sie dennoch objektiv gesehen ein positives Ergebnis für die Wissenschaft. Außerdem falle die Intransparenz von anonymen Netzwerken weg und Anschuldigungen seien klar zuzuordnen.

"Ich muss ja von irgendetwas leben"

Martin Heidingsfelders gehörte früher selbst zu den anonymen Plagiatjägern: Unter dem Nutzernamen "Goalgetter" gründete er im März 2011 die Plattform VroniPlag Wiki, um mit Hilfe einer Gruppe von Internetaktivisten die Plagiate von Politikern aufzudecken. Der Durchbruch gelang, als Wiki-Nutzer die FDP-Politiker Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis als Abschreiber entlarvten. Damals sprach die deutsche Presse von der neuen Internetdemokratie und der Macht der anonymen Masse. Heidingsfelders Name tauchte in mehreren Internetforen auf.

Er entschied sich, an die Öffentlichkeit zu gehen. Damals betonte er in Interviews, er habe nie finanzielle Interessen gehabt. Als es zu Streit zwischen ihm und anderen Aktivisten kam, beendete er seine Mitgliedschaft. Im November 2011 machte er sich als Plagiatjäger selbständig. Heute sagt er: "Ich brauche sehr viel Zeit für die Plagiatssuche. Ich muss ja von irgendetwas leben."

Seine veränderte Einstellung zum Geld sehen die ehemaligen Mitstreiter bis heute kritisch: "Das ist wieder typisch für ihn, der hofft aus allem etwas herausschlagen zu können", schreibt ein Nutzer im Chat des immer noch anonym betriebenen Wikis von VroniPlag über das neueste Projekt von Heidingsfelder. Er selbst sieht sich als Opfer einer fortlaufenden Kampagne.

PolitPlag wird auch regelmäßig zugespamt. Dabei wäre der Internetunternehmer bereit seinen Gewinn mit anderen Plagiatjägern zu teilen: "Wenn nicht mehr so viele Trolle auf PolitPlag posten, dann können die wirklich interessierten Leute auch gerne wieder mitmachen", sagt er. Und von der Bezahlung könnten die dann auch etwas abhaben.

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