Politiker im GesprächSommerliches Fernseh-Ritual

In den "Sommerinterviews" mit Spitzenpolitikern wird Lockerheit inszeniert - und dabei nichts dem Zufall überlassen. Beispiele in Bildern.

Schwierig, einen klaren Gedanken zu fassen in einer Zeit, da "alles schmachtet und lechzt unter der Wucht drückender Jahresglut". So hat der Dichter Alkaios 600 vor Christus den Sommer beschrieben, und es stimmt ja auch: Am besten verbringt man die Hundstage daheim, dösend unter dem kühlenden Baldachin seiner Hollywoodschaukel. Es sei denn, man ist Politiker und gibt noch schnell ein Sommerinterview. Sommerinterviews sind eine Erfindung aus den 1980er-Jahren: Schau mal, wollten uns die Damen und Herren vom ZDF-Magazin "Bonn direkt" schon damals sagen, Politiker sind auch nur Menschen und im Urlaub total normal. Genau hier kommt der Outdoor-Journalist ins Spiel. Unter der Wucht drückender Jahresglut nämlich sagen Politiker auch mal etwas, das sie sonst nicht sagen würden. Da ist es immer gut, das Mikrofon eingeschaltet zu haben. Horst Köhler auf Usedom, Joschka Fischer in der Toskana, Gerhard Schröder im Zoo von Hannover - sommerinterviewt wird immer und überall. Und in der heißen, eher nachrichtenarmen Zeit schaut und hört jeder, der nicht gerade Urlaub macht, gerne zu. Wer sich wo wie befragen lässt, das ist kein Zufall. Vordergrund, Hintergrund - das alles hat schon seinen Grund.

Martin Zips

3. August 2017, 20:162017-08-03 20:16:33 © SZ vom 03.08.2017/zip/misc/min/fzg/muth/hert/gal