Wahl: Politiker des JahresDeutschlands Auf- und Anreger

2010 hatte es in sich: Wildsäue und Gurkentruppen, Migrationskritiker und Anti-Hysteriker bestimmten die Debatten. Doch welcher Politiker hat das Jahr am meisten geprägt? Stimmen Sie ab!

Deutschland schafft sich ab lautet seine These, und Thilo Sarrazin unterfütterte sie in seinem gleichnamigen Buch mit zahlreichen Statistiken. Dass sie Zusammenhänge zwischen Migration, Intelligenz und demographischer Entwicklung in Deutschland belegen sollen, wo zum Teil aber keine sind, störte weder den Autoren noch die Leser, die sein Buch zu einem Bestseller machten. Sarrazin verdiente Millionen mit seinem Werk.

Das Erfolgsrezept war womöglich, dass man das Buch nicht gelesen haben muss, um darüber zu diskutieren. Schon bevor das Werk in den Buchhandlungen auslag, waren Sarrazins Ansichten zu Islam und Migration in aller Munde. Seine Kritiker wurden bei der Podiumsdiskussion in der Münchner Reithalle und anderswo vom Publikum niedergebuht. Dass Sarrazin aus dem Vorstand der Bundesbank verbannt wurde und ihm der Ausschluss aus der SPD droht, wird er verschmerzen können. Wie sagte er in München? "Nach den sechs Wochen öffentlichen Fegefeuers bin ich umso froher, dass ich das Buch geschrieben habe."

Bild: dapd 22. Dezember 2010, 12:552010-12-22 12:55:52 © sueddeutsche.de/mikö/jul/kler/mati/mcs/lala