Politiker des Jahres 2011 – Winfried Kretschmann

Eigentlich war es ein leichtes Spiel. Ministerpräsident Stefan Mappus hatte den Stuttgart-21-Gegnern den "Fehdehandschuh" hingeworfen. Er hatte späte Reue über die Gewalt im Schlosspark am "Schwarzen Donnerstag" gezeigt. Er hatte den Energiekonzern EnBW am Parlament vorbei gekauft und in Atomenergie investiert, kurz vor Fukushima. Gegen so einen wie Mappus hat es eigentlich jeder Herausforderer leicht.

Aber Winfried Kretschmann, 63, trat nicht irgendwo als Spitzenkandidat der Grünen an, sondern in Baden-Württemberg. Jenem Bundesland im Südwesten, das die CDU seit 58 Jahren regiert hatte, als gehöre ihr das Land. Kretschmann sagte stets, das Amt müsse zum Manne kommen, "nicht der Mann zum Amt". Das ist dem katholischen Schützenbruder, der bisweilen so gar nicht zu seiner Partei passt, gelungen. Bei der Landtagswahl im März kamen die Grünen auf 24 Prozent. Kretschmann wurde der erste grüne Ministerpräsident überhaupt.

Das hat er jetzt davon: Einen aufmüpfigen Koalitionspartner mit Minderwertigkeitskomplex, die SPD. Sowie den Protest der hartnäckigen S21-Gegner, die auch nach der erfolglosen Volksabstimmung gegen das milliardenschwere Bahnprojekt weiterhin vor der Baustelle campieren. Wenn die Kosten nicht noch explodieren, kommt der Bahnhof. Wenn Landesgroßvater Kretschmann ihn 2019 eröffnen kann, hat er alles richtig gemacht.

Bild: dpa 29. Dezember 2011, 11:042011-12-29 11:04:01 © sueddeutsche.de