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Politik kompakt:Kinder-Dealer sollen ins Heim

Was tun, wenn Minderjährige immer wieder straffällig werden? Die Forderungen, jugendliche Drogendealer in geschlossenen Heimen unterzubringen, mehren sich. Kurzmeldungen im Überblick.

Wiederholt wurden in Berlin Kinder - darunter ein Elfjähriger - gefasst, die als Drogenverkäufer arbeiteten. Sie waren in offenen Heimen untergebracht gewesen und wurden jedes Mal wieder laufen gelassen. Nun mehren sich Forderungen nach geschlossenen Heimen für Dealer im Teenager-Alter. Für solche Einrichtungen plädiert etwa die Deutsche Polizeigewerkschaft. "Diese Kinder muss man aus ihren Familien nehmen und versuchen, sie zu sozialisieren", sagte der Bundesvorsitzende Rainer Wendt dem Radiosender 104,6 RTL.

Kinder als Dealer: Polizei machtlos

Kinder als Dealer: Nachdem die Polizei in der Hauptstadt wiederholt Kinder, darunter Elfjährige, als Drogenverkäufer gefasst hat, mehren sich die Forderungen nach geschlossenen Heimen für Dealer im Teenager-Alter.

(Foto: dpa)

Auch der Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD) macht sich dafür stark, minderjährige Drogendealer in Heimen zu kontrollieren. "Die kriminellen Karrieren solcher Kinder müssen durch die Unterbringung in geeigneten Einrichtungen gestoppt werden", erklärte Körting. Heime, in denen Kinder kommen und gehen könnten, wie sie wollen, seien völlig sinnlos. "Es geht aber nicht darum, sie wegzuschließen", so Körting. Maßgeblich sei, dass sie nicht wegkönnten und pädagogisch betreut würden. Wie Körtings Sprecherin erläuterte, ist unter einem "geschlossenen" Heim nicht unbedingt zu verstehen, dass Kinder hinter Schloss und Riegel kommen, sondern dass kontrolliert wird, was sie machen

Berlin unterhält bisher nur offene Betreuungseinrichtungen für kriminelle Kinder. Bis sie 14 Jahre als sind, gelten Kinder und Jugendliche in Deutschland als strafunmündig. Die Polizei muss sie nach Festnahmen wieder laufenlassen, Gerichte können sie nicht bestrafen. Vertreter von Polizei und Parteien beklagen, dass Ordnungshüter, Justiz und Behörden bei der Bekämpfung dieses Problems derzeit weitgehend machtlos sind. Ein Elfjähriger in Berlin sei bereits elf Mal als Drogendealer erwischt worden, sagte der Leiter des Rauschgiftdezernats beim Landeskriminalamt, Harald Chybiak, am Montagabend in der rbb- Abendschau. Nach den Festnahmen kam das Kind sofort wieder frei. Dies sei kein Einzelfall.

Geschlossene Heime für kriminelle Kinder und Jugendliche hatte auch die kürzlich gestorbene Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig gefordert. In ihrem Buch "Das Ende der Geduld", das am 26. Juli erscheint, kritisiert sie die deutschen Behörden, die kriminellen Familienclans nicht genug entgegensetzten.

(dpa)