Politik kompakt Graumann kritisiert Ultraorthodoxe in Israel

Der Präsident des Zentralrats der Juden zeigt sich "schockiert" über die "geschmacklosen" Bilder aus Jerusalem: Orthodoxe Demonstranten waren in KZ-Anzügen mit Judensternen auf die Straße gegangen - unter ihnen auch Kinder.

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Mit scharfer Kritik hat der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, auf eine Demonstration der ultraorthodoxen Sekte Eda Haredit in Jerusalem reagiert. "Die Bilder haben mich schockiert. Und ich schäme mich sogar dafür, dass ausgerechnet Juden so etwas machen und ein Zerrbild des Holocaust liefern", sagte Graumann dem Kölner Stadt-Anzeiger. Das sei "geschichtslos und geschmacklos".

Bei einer Demonstration von Ultraorthodoxen waren in Jerusalem Männer und Kinder in KZ-Anzügen mit Judensternen auf die Straße gegangen.

(Foto: AP)

Einige der etwa 1000 demonstrierenden Männer und Kinder waren am Samstag in schwarz-weiß gestreiften KZ-Anzügen mit gelbem Judenstern zu sehen. In den letzten Wochen haben die Spannungen zwischen säkularen und religiösen Israelis zugenommen. Die Ultraorthodoxen lehnen unter anderem eine Gleichstellung von Frauen im öffentlichen Leben ab.

Für die Erinnerungskultur der Deutschen seien die Bilder verstörend, kritisierte Graumann. "Wir Juden in Deutschland sagen ja stets, dass man die Erinnerung des Holocaust nicht missbrauchen darf. Wenn das nun Juden machen, ist das ganz besonders schändlich." Dass dem Land wegen des wachsenden Einflusses der Orthodoxen ein innerer Kulturkampf drohe, glaube er allerdings nicht.

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