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Politik kompakt:Wulff brüskiert ThyssenKrupp

Bundespräsident Christian Wulff hat einen für Samstag geplanten Besuch des neuen ThyssenKrupp-Stahlwerks in Rio de Janeiro abgesagt. Er begründete dies am Freitagabend (Ortszeit) in São Paulo mit den "kurzfristig angekündigten umfangreichen Umstrukturierungen im ThyssenKrupp-Konzern mit noch nicht absehbaren Auswirkungen".

"Wir bedauern das", sagte ein Konzernsprecher in Essen zur Absage des Staatsoberhauptes. Ein geplanter Besuch des neuen Konzernchefs Heinrich Hiesinger in dem neuen Stahlwerk in Rio de Janeiro werde trotzdem wie geplant stattfinden. Weiter wollte sich der Sprecher nicht äußern.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa sagte Wulff die letzte Station seiner etwa einwöchigen Lateinamerika-Reise auch deshalb ab, weil er von ThyssenKrupp nicht vorab über die einschneidenden Maßnahmen informiert worden war. Deutschlands größter Stahlkonzern will sich durch den Umbau von fast einem Viertel seines Umsatzes und etwa 35.000 seiner weltweit 177.000 Mitarbeiter trennen.

Selbst langjährige Begleiter von Bundespräsidenten auf Reisen können sich nicht daran erinnern, dass ein mit so großem Aufwand geplanter Besuchstermin aus innenpolitischen Gründen vom Staatsoberhaupt gekippt wurde.

Die Abreise des Bundespräsidenten aus Brasilien wird sich allerdings wegen einer technischen Panne am Flugzeug des Präsidenten bis Sonntag verzögern. Ein Kühlaggregat des Airbus war ausgefallen, das Ersatzteil muss aus Deutschland eingeflogen werden.

(dpa)