Politik - Jork:Agrarminister Özdemir besucht Obstbaumesse bei Hamburg

Agrar
Cem Özdemir gibt während eines Rundgangs auf der Grünen Woche ein Statement ab. Foto: Fabian Sommer/dpa (Foto: dpa)

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Jork (dpa) - Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) hat am Donnerstag die norddeutschen Obstbautage in Jork bei Hamburg besucht. Özdemir absolvierte einen Rundgang über die Fachmesse und hielt eine Rede vor Obstbäuerinnen und Obstbauern. Das Publikum applaudierte nach der Rede des Ministers. Vor der Halle sprach Özdemir mit Menschen aus einer Menge. Die Stimmung blieb friedlich. Ein Mann rief Parolen wie "Hau ab", was andere Anwesende kritisierten.

Ein Großteil der Bauernproteste sei vorbildlich gewesen, sagte Özdemir. Aufgrund der Demonstrationen der Bauern gebe es Aufmerksamkeit für die Landwirtschaft. Diese müsse genutzt werden. Der Minister warb unter anderem für die sogenannte Agri-Photovoltaik, bei der Obst unter Solarmodulen angebaut wird. In der Politik müsse die Landwirtschaft beteiligt werden, bevor Beschlüsse der Regierung fielen. Zuletzt sei das anders gewesen. Mit der Aussage spielte Özdemir auf die Ankündigung der Regierung an, Agrardiesel nicht länger zu subventionieren. Die Pläne wurden inzwischen abgeschwächt.

Außer Özdemir sprachen Branchenvertreter auf der Messe. Der Vorsitzende der Obstbau-Fachgruppe beim Landvolk Niedersachsen, Claus Schliecker, sagte, von solchen Terminen blieben allein schöne Bilder. "Nehmen sie unsere Anliegen ernst", forderte der Vorsitzende der Bundesfachgruppe Obstbau, Jens Stechmann. Man habe den Eindruck, dass die Politik weit von den Bauern und Gärtnern entfernt sei. Verbote gebe es genug. Es brauche Unterstützung für die Betriebe.

Die norddeutschen Obstbautage hatten am Dienstag begonnen. Themen auf der Messe sind Pflanzenschutztechnik und Digitalisierung. Rund 200 Aussteller waren zu der Exposition erwartet worden. Der Veranstaltungsort Jork liegt im Alten Land bei Hamburg. Dieses gilt mit der Bodensee-Region als das wichtigste Apfelanbaugebiet Deutschlands. Hauptveranstalter der Messe ist der Obstbauversuchsring des Alten Landes, ein Beratungsverein. Das Landvolk Niedersachsen ist ebenfalls an der Organisation der Messe beteiligt.

Vor der Messe hatte Schliecker der Deutschen Presse-Agentur gesagt, die rund 500 Betriebe im Alten Land produzierten nach hohen Umwelt- und Sozialstandards. Äpfel aus dem Ausland würden zu "Dumpingpreisen" angeboten. Es sei nicht möglich, dagegen zu konkurrieren. Die Politik müsse sicherstellen, dass die Bauern aus dem Alten Land wieder wettbewerbsfähig werden. Zeitliche Importbeschränkungen für günstige Äpfel aus dem Ausland seien eine Möglichkeit.

© dpa-infocom, dpa:240214-99-988986/4

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