bedeckt München
vgwortpixel

Politbüro:Die einzige Frau unter Chinas obersten Machthabern

China's Politburo Standing Committee member Sun Chunlan attends a conference commemorating the 150th birth anniversary of Sun Yat-Sen in Beijing

Sun Chunlan, einziges weibliches Mitglied in Chinas Politbüro.

(Foto: REUTERS)

Mit Loyalität und Ehrgeiz hat sich Sun Chunlan in den inneren Zirkel der Kommunistischen Partei vorgearbeitet. Zu ihren Aufgaben gehört gezielte Einflussnahme - offen und verdeckt.

Einsam ist es für Frauen wie Sun Chunlan da oben an der Spitze in China. Mao Zedong sagte über Chinas Frauen dereinst, sie trügen die Hälfte des Himmels, das war als Versprechen gemeint. Die Führung seiner Partei aber kann er mit Himmel nicht gemeint haben. China zählt mittlerweile die meisten Milliardärinnen der Welt, es sind gewiefte Unternehmerinnen, in der Politik aber ist die Herrschaft der alten Männer heute noch überwältigender als zuvor. In den Ständigen Ausschuss des Politbüros, den inneren Zirkel der Macht hat es ohnehin noch nie eine Frau geschafft. Und im 25 Mitglieder starken erweiterten Politbüro, wo bislang zwei Frauen vertreten waren, sitzt von nun an nur noch eine einzige: die 67-jährige Sun Chunlan.

Man könnte Sun jetzt die mächtigste Frau Chinas nennen, wenn man nicht wüsste, dass das mit der Macht relativ ist im Reich der KP, der Kommunistischen Partei: Xi Jinping behält den größten Teil der Macht gern für sich, die Leute, mit denen er sich umgibt, sind vor allem dazu da, sein "Xi-Jinping-Gedankengut" unters Volk zu bringen. Sun Chunlan sagt man nach, vor allem ihre Loyalität habe sie so weit nach oben getragen. Eine große Portion Ehrgeiz muss allerdings auch dabei gewesen sein, denn Sun hat es von ganz unten nach ganz oben geschafft.

Politik China Schon zu Lebzeiten im kommunistischen Himmel
Chinas Staatschef Xi Jinping

Schon zu Lebzeiten im kommunistischen Himmel

Die KP hat den Namen Xi Jinpings in die Verfassung graviert, wie früher den Namen Mao Zedongs. Damit erreicht die Machtkonzentration in China einen neuen Höhepunkt. Für die Wirtschaft kann das zum Problem werden.   Kommentar von Kai Strittmatter

Erst Uhrenmechanikerin, dann der schnelle Aufstieg

Angefangen hat sie als Mechanikerin in einer Uhrenfabrik, trat dann 1973 der Partei bei und übernahm verschiedene Parteiposten. Sie stieg schnell auf. 2001 wurde sie Parteisekretärin der Hafenstadt Dalian, 2009 übernahm sie denselben Posten in Fujian, einer von Chinas Boomprovinzen, die in der Zeit viel Investitionen aus dem Ausland und aus Taiwan anzog. Als Parteisekretärin der Metropole Tianjin stieg sie dann 2012 ins Politbüro auf.

Ihr Portfolio dort ist ein spannendes: Sie leitet die Einheitsfront, ein im Westen zu Unrecht oft übersehenes Amt. Aufgabe der Einheitsfront ist es, zu Hause und im Ausland offen und verdeckt Einfluss zu nehmen auf einflussreiche Individuen und Gruppierungen außerhalb der Partei und diese für die Ziele der KP zu gewinnen. Oder aber - wenn sie von der Partei als feindselig identifiziert werden - sie anzugreifen und zu neutralisieren.

Verdeckte Einflussnahme zugunsten Chinas

Unter Xi Jinping wird ihre Arbeit gestärkt, Xi will überall auf der Welt verstärkt an Chinas Softpower arbeiten. Und so arbeitet die Einheitsfront unter Sun Chunlan zu Hause gegen die "Dalai-Lama-Clique" und gegen Hongkongs Studentenaktivisten, die sie als "Vaterlandsspalter" verfolgt. Im Westen versucht sie über von der KP gesteuerte Medien, "Freundschaftsvereine" und Studentenvereine, die dort lebenden Chinesen, vor allem die Studenten auf Parteilinie zu halten und für Einflussnahme im Gastland zu gewinnen.

In Europa war das bislang kein großes Thema, anders in Ländern wie Kanada und Australien, wo viele Chinesen leben. Dort warnten zuletzt die Geheimdienste vor dem politischen Einfluss, den sich China so erarbeite.

Xi Jinping Update der chinesischen Diktatur

Parteitag der KP in Peking

Update der chinesischen Diktatur

Die Kommunistische Partei krönt ihren Chef zum Kaiser. Xi Jinping hat ihr wieder uneingeschränkte Herrschaft verschafft und will einen Überwachungsstaat schaffen. Europa muss aufpassen.   Kommentar von Kai Strittmatter