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Polen:Ein Nebeneffekt des Geldsegens? Noch mehr Frauen arbeiten nicht mehr

Der politische Nutzen des Programms für die Pis ist zumindest auf den zweiten Blick nicht eindeutig. "Ich habe schon vor 500+ die Pis gewählt", sagt Monika Ludwiniak. "Hier in Poświętne gehen wir fast alle am Sonntag in die Kirche und wählen Pis. Das ist hier auf dem Land normal." Und während kinderreiche Familien einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes CBOS zufolge die Pis mehrheitlich unterstützen, hat sich die Partei bei der anderen Hälfte polnischer Eltern erbitterte Gegner gemacht: bei Familien und Alleinstehenden mit nur einem Kind. Denen versprach die Pis im Wahlkampf ebenfalls das neue Kindergeld. Einmal an der Regierung, strich die Pis das Kindergeld für Ein-Kind-Familien mit wenigen Ausnahmen und spart so jährlich einige Milliarden.

Auch die Begeisterung von Anna Rochowska in Warschau für die Pis ist stark abgekühlt, wenn auch nicht wegen des Kindergeldes. Zwar kommt die Theaterfrau aus einer traditionellen, auf katholische und nationalkonservative Werte ausgerichteten Familie und hat jahrelang Pis gewählt. Trotzdem findet sie, dass Kultur vielfältig sein sollte. "Die Pis kann mit der Freiheit der Kunst nichts anfangen. Das macht mich wütend." Ihr missfällt der Umbau des Staates. "Die Pis benimmt sich jetzt sehr arrogant und sagt, dass ihr alles erlaubt sei". Würde heute wieder gewählt, würde Anna Rochowska nicht mehr für die Pis stimmen. Trotz Kindergeld.

Monika Ludwiniak in Poświętne plagt eine andere Sorge. "Wie lange können wir uns als Land 500+ leisten?. Viele Familien, die das höhere Kindergeld bekommen, haben jetzt Kredite aufgenommen. Es ist fraglich, ob sie die noch bedienen können, wenn die Regierung wieder wechselt. Oder kein Geld für 500+ mehr in der Kasse ist."

© SZ vom 19.04.2017/jael
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