WarschauPolen sieht Russland hinter Sprengstoffanschlag auf Bahnstrecke

Lesezeit: 1 Min.

Polens Ministerpräsident Donald Tusk (2.v.r.) besichtigte am Montag die durch Sabotage beschädigte Eisenbahnstrecke in der Nähe der Ortschaft Mika.
Polens Ministerpräsident Donald Tusk (2.v.r.) besichtigte am Montag die durch Sabotage beschädigte Eisenbahnstrecke in der Nähe der Ortschaft Mika. (Foto: KPRM/AP/dpa)

Alles deute darauf hin, dass die Auftraggeber des Sabotageaktes die russischen Geheimdienste seien, sagt der Sprecher des polnischen Geheimdienstkoordinators in Warschau. Die Täter sollen Ukrainer sein.

Polen hat Russland für den Sprengstoffanschlag auf eine strategisch wichtige Bahnlinie verantwortlich gemacht. Alles deute darauf hin, dass die Auftraggeber des Sabotageaktes die russischen Geheimdienste seien, sagte Jacek Dobrzyński, Sprecher des Geheimdienstkoordinators in Warschau. Zuvor hatte das Komitee für nationale Sicherheit der Regierung in einer Sondersitzung getagt.

Am Sonntag hatten Täter auf der Trasse von der Hauptstadt Warschau nach Lublin im Osten des Landes Gleise durch eine Sprengladung zerstört. Der Schaden wurde rechtzeitig von einem Lokführer bemerkt und an die Leitstelle gemeldet, die die Strecke vorübergehend sperrte. Mittlerweile haben die polnischen Behörden laut Informationen der Nachrichtenagentur Reuters zwei Personen identifiziert, die für die Sabotage verantwortlich sein sollen. Die beiden seien Ukrainer und hätten mit dem russischen Geheimdienst zusammengearbeitet, soll Polens Ministerpräsident Donald Tusk vor Abgeordneten gesagt haben. Sie hätten sich nach Belarus abgesetzt.

Die Regierung geht davon aus, dass die Explosion unweit der Ortschaft Mika 80 Kilometer südöstlich von Warschau das Ziel hatte, einen Zug in die Luft zu sprengen. Es gab noch zwei weitere Beschädigungen der gleichen Trasse. Die Staatsanwaltschaft und der Geheimdienst ermitteln.

„Die russischen Dienste wollen unsere Gesellschaft destabilisieren, sie wollen Angst verbreiten“, sagte Dobrzyński weiter. Die Ermittler würden die Angelegenheit jedoch vollständig aufklären.

Über Polens Bahnnetz gehen Militärtransporte in die Ukraine

Das EU- und Nato-Land Polen ist eines der engsten politischen und militärischen Verbündeten der von Russland angegriffenen Ukraine. Seit Kriegsbeginn herrscht dort Angst vor russischen Sabotageakten. Besonders das Eisenbahnnetz gilt als mögliches Ziel, denn viele Militärtransporte in die Ukraine laufen über Polen in das Nachbarland. Die jetzt betroffene Strecke führt zum Grenzort Dorohusk und von dort weiter in die Ukraine.

Im vergangenen Jahr hatte Polens Regierung bereits russische Geheimdienste für einen Großbrand in einem Einkaufszentrum in Warschau verantwortlich gemacht. Im Oktober wurden zudem acht Personen wegen des Vorwurfs, im Auftrag Moskaus Sabotageakte geplant und Spionage betrieben zu haben, festgenommen.

© SZ/dpa/Reuters/dta - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Luftraumverletzungen  im Ostseeraum
:Fliegen bis an die Schmerzgrenze

Russland testet mehr als zuvor, wie weit es mit seinen Jets und Drohnen gehen kann. Und wie die Nato darauf reagiert. Diese wirkt wachsam, doch die Unsicherheit im Westen droht zu steigen. Und das würde Putin schon helfen.

SZ PlusVon Silke Bigalke, Viktoria Großmann und Alex Rühle

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Gutscheine: