Polen Lichtung im Dickicht

Die EU hat nicht nur den Urwald gerettet, sondern auch ihr Image aufgeforstet.

Von Jan Heidtmann

Ein Kennzeichen der Zeit ist es, dass manche Schrecknis, die man eigentlich in weiter Ferne verortet hatte, immer näher heranrückt. Jüngstes Beispiel ist die massive Abholzung von Urwald, die es bislang vor allem im Amazonasgebiet oder in Teilen Südostasiens gab. Mit dem Kahlschlag im polnischen Białowieża-Nationalpark ist sie nur noch eine Landesgrenze weit entfernt. Der Europäische Gerichtshof hat dem jetzt hoffentlich ein Ende gesetzt.

Die Richter könnten damit nicht nur einen einmalig urwüchsigen Wald retten, gelegen an der Grenze zur Ukraine und fast doppelt so groß wie Berlin. Sie trügen auch dazu bei, das Image der Europäischen Union zu verbessern. Deren Mechanismen gelten nicht zu Unrecht oft als träge und wenig effizient. Im Fall des Urwalds von Białowieża zeigt die EU nun, dass sie auch anders kann.

Vor zwei Jahren hatte die polnische Regierung genehmigt, die Menge des geschlagenen Holzes zu verdreifachen. 150 000 Bäume wurden allein 2017 gefällt, obwohl Teile des Urwalds zum EU-Schutzgebiet gehören; eine erste Eilentscheidung des EuGH ignorierte Warschau. Als das Gericht dann zügig ein Zwangsgeld von 100 000 Euro pro Tag verfügte, beugte sich die Regierung - vielleicht auch ein Modell für andere Streitigkeiten zwischen Polen und der EU.