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Nach Flugzeugabsturz bei Smolensk:Kaczynskis Tod entzweit Polen und Russland

Ende des Tauwetters: Warschau wirft dem Kreml vor, die Untersuchung der verunglückten Präsidentenmaschine zu verschleppen. Auch innenpolitisch sorgt der Tod Kaczynskis für Streit.

Die polnische Regierung hat Moskau offen vorgeworfen, die Untersuchung des Flugzeugunglücks von Smolensk zu verschleppen. In der Nähe dieser russischen Großstadt war am 10. April die polnische Präsidentenmaschine bei dichtem Nebel abgestürzt, neben Staatspräsident Lech Kaczynski kamen alle anderen 95 Personen an Bord ums Leben. Mehrere hundert nationalistische und fundamental-katholische Demonstranten verhinderten am Dienstag den Abbau eines Holzkreuzes vor dem Warschauer Präsidentenpalast, das dort katholische Pfadfinder wenige Tage nach dem Unglück zum Gedenken an die Opfer des Flugzeugunglücks errichtet hatten. Es kam dabei zu Handgreiflichkeiten. Der Platz vor dem Palast sollte zur Amtseinführung des neuen Staatspräsidenten Bronislaw Komorowski hergerichtet werden. Die Zeremonie ist für Freitag vorgesehen, nachdem das Verfassungsgericht die Präsidentenwahlen vom 4. Juli für gültig erklärt hatte.

Unterstützer des bei einem Flugzeugabsturz verstorbenen Präsidenten Lech Kaczynski demonstrieren gegen die Entfernung eines Holzkreuzes zu seinem Gedenken - die polnische Regierung wirft unterdessen Moskau vor, die Untersuchung des Absturzes zu verschleppen.

(Foto: AP)

Tusk unter Druck

Premier Donald Tusk, der die konservative und proeuropäische Bürgerplattform (PO) führt, erklärte zum Stand der Untersuchungen durch russische Experten: "In letzter Zeit ist unsere Zusammenarbeit schlechter als zu Beginn." Den Warschauer Medien zufolge hält Moskau Berichte zurück, nach denen auch die russischen Fluglotsen Fehler begangen haben. Überdies seien die technischen Einrichtungen des Militärflughafens von Smolensk veraltet und hätten teilweise nicht ausreichend funktioniert. Auch verhinderten die russischen Behörden demnach bislang eine Befragung der Fluglotsen durch polnische Ermittler. Einer von ihnen sei sogar in Pension geschickt worden.

Den Berichten zufolge konnte das Radar anfliegende Maschinen nur mit einer Genauigkeit von 300 Metern erfassen. Es wird daher nicht ausgeschlossen, dass falsche Höhenangaben der Lotsen zu dem Absturz beigetragen haben. Bislang gilt es nur als erwiesen, dass die Tupolew über einer Talsenke in der Anflugschneise an Höhe verloren hat und dann in einem zum Flughafen ansteigenden Waldstück zerschellt ist. Unklar ist nach wie vor, ob Vorgesetzte des Piloten oder Präsident Lech Kaczynski persönlich Druck ausgeübt haben, trotz der widrigen Witterung zu landen. Mehrere Passagen aus den Aufzeichnungen der Cockpit-Gespräche deuten darauf hin.

Tusk gab bekannt, dass er den polnischen Chefermittler Edmund Klich damit beauftragt habe, in Moskau alle bisher erstellten Unterlagen anzufordern. Tusk war in den letzten Wochen zunehmend unter Druck der Medien geraten. Ihm wird vorgeworfen, der russischen Seite die Untersuchung überlassen zu haben und nicht bei seinem Kollegen Wladimir Putin auf eine gleichberechtigte Einbindung polnischer Experten gedrungen zu haben.

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