Berlin:Denkmal soll an Verbrechen der Nazis in Polen erinnern

Heiko Maas bei der Vorstellung des Konzepts für einen Erinnerungsort an Naziverbrechen in Polen am Mittwoch in Berlin.

Heiko Maas bei der Vorstellung des Konzepts für einen Erinnerungsort an Naziverbrechen in Polen am Mittwoch in Berlin.

(Foto: Michele Tantussi/dpa)

Das Konzept liegt nun vor, wie künftig in Berlin der Opfer von Verbrechen der Nationalsozialisten in Polen gedacht werden soll.

Im Zentrum des in Berlin geplanten Ortes zur Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten in Polen soll nach den Vorstellungen der zuständigen Expertenkommission ein Denkmal stehen. Das geht aus dem am Mittwoch in Berlin vorgestellten Konzept für einen "Ort des Erinnerns und der Begegnung mit Polen" hervor. Das Denkmal solle ermöglichen, "sich vor allen Opfern der Republik Polen im Zweiten Weltkrieg und durch die deutsche Besatzung in Polen zu verbeugen", heißt es darin. "Es ehrt ihre Leben, ihren Widerstand und ihren Mut", sagte Außenminister Heiko Maas (SPD).

In einem baulichen Ensemble mit dem Denkmal soll zudem ein Gebäude im Herzen der Bundeshauptstadt entstehen für Ausstellungen und Begegnungen zwischen Deutschen und Polen. Der Ort solle "mahnen, informieren und bilden", heißt es im Konzept. "Erinnern braucht historisches Wissen", sagte Maas. Der Bundestag hatte im Oktober 2020 beschlossen, dass in Berlin ein eigener Ort zur Erinnerung an die polnischen Opfer des Nationalsozialismus entstehen soll. Daraufhin hatte das Auswärtige Amt eine 16-köpfige Expertenkommission mit einem Konzept beauftragt.

Ihr gehörten unter anderem Vertreter des Deutschen Polen-Instituts, des Deutschen Historischen Museums, der Stiftung Auschwitz-Birkenau, der Bundeszentrale für politische Bildung und des Deutsch-Polnischen Jugendwerks an. Geleitet wurde die Kommission vom früheren deutschen Botschafter in Polen, Rolf Nikel. Das Leiden der polnischen Zivilbevölkerung sei lange "nur ein Splitter" in der deutschen Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg gewesen, sagte Maas. In beiden Ländern gebe es weiter unterschiedliche Wahrnehmungen, "bleiben Lasten der Vergangenheit". Im gemeinsamen Erinnern könnten neue Wege gebahnt werden.

Im Tiergarten könnte ein Standort sein. Entscheiden muss der nächste Bundestag

Die Kommission machte bereits Vorschläge für einen Standort des Erinnerungsortes. Infrage kommen demnach ein Gelände nahe des Kanzleramts im Berliner Tiergarten sowie ein Grundstück in der Nähe des Anhalter Bahnhofs und damit in der Nähe des in diesem Sommer eröffneten Dokumentationszentrums "Flucht - Vertreibung - Versöhnung", das sich der Geschichte der Vertreibungen nach dem Zweiten Weltkrieg widmet. Für die Gestaltung soll nach den Vorstellungen der Kommission ein Wettbewerb ausgeschrieben werden.

Über die konkreten Umsetzungsschritte und die finanzielle Ausstattung muss zunächst aber wieder der Bundestag beraten, der am 26. September neu gewählt wird. Das Konzept soll dem Parlament nach der Wahl übergeben werden. Die Kommission wünscht sich einen Start des Bauprojekts noch in der nächsten Wahlperiode.

© SZ
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