bedeckt München 18°

Polen:Duda macht Tochter zur Beraterin

Der polnische Präsident Andrzej Duda hat seine 25 Jahre alte Tochter Kinga als Beraterin für soziale Angelegenheiten angeheuert. Sie arbeite als Freiwillige und "bekommt keinerlei Vergütung" für ihre Dienste, betonte Duda am Mittwochabend auf Twitter. Dennoch kamen von seinen Gegnern prompt Vorwürfe der Vetternwirtschaft, sogar auch aus der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS), die ihn unterstützt. Schon zuvor galt die Präsidententochter bei Kritikern als "Polens Ivanka Trump" - eine Anspielung auf die Tochter von US-Präsident Donald Trump, die eine wichtige Rolle im Weißen Haus spielt. Die studierte Anwältin Kinga Duda trat in der Präsidentschaft ihres Vaters die meiste Zeit kaum in Erscheinung - bis zu einem Auftritt bei der Siegesfeier nach seiner Wiederwahl im Juli. Sie forderte, dass alle Bürger Polens trotz ihrer Unterschiede respektiert werden sollten. Beobachter werteten dies als Versuch, dem Image ihres Vaters weichere Konturen zu verleihen.

Im Wahlkampf hatte sich Duda immer wieder gegen größere Bürgerrechte für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender gewandt. Die LGBTQ-Bewegung nannte er eine "Ideologie", die gefährlicher als Kommunismus sei. Einmal sagte Duda, Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender seien "keine Menschen". LGBTQ ist die englische Abkürzung für lesbisch, schwul, bisexuell, Transgender und queer. Kinga Duda erklärte indes in ihrer Rede, dass alle Menschen sich sicher und angenommen fühlen sollten. LGBT-Aktivisten taten ihren Appell indes als Akt der Heuchelei ab. In den jüngsten Monaten sei ein massiver Anstieg der Hassverbrechen gegen sexuelle Minderheiten zu verzeichnen.

© SZ vom 18.09.2020 / AP

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite