bedeckt München
vgwortpixel

Polen:Föten wachsen nun mal nicht in Petrischalen

Tatsächlich ist wenig gegen Föten zu sagen. Sie sind maximal unschuldig. Nur wachsen sie eben nicht in Petrischalen heran, sondern in Frauen. Und deren Schutz scheint Trump, Kaczynski, Le Pen und von Storch wenig wert zu sein. Das Guttmacher Institute, das zu Geburtenkontrolle forscht, geht davon aus, dass im Jahr 2008 weltweit 20 Millionen Frauen ohne ärztliche Unterstützung abgetrieben haben und dabei ihr eigenes Leben riskierten, weil sie keine legale Alternative hatten. Und in den US-Staaten mit den restriktivsten Abtreibungsgesetzen wird besonders häufig gegoogelt, wie man sich am Besten eine Treppe hinunterstürzt, damit der Fötus tödlichen Schaden nimmt.

Dieselben Politiker, die mit Verweis auf die in der Tat miese Situation der Frauen in Iran, Saudi-Arabien oder Pakistan vor dem Islam warnen, empfehlen eine Familienpolitik, die von religiösen Dogmen, statt von Vernunft geprägt ist. Viele Christen in Deutschland mag das immens ärgern, aber der Papst rät immer noch zum Verzicht auf Kondome und verbietet Abtreibungen. Die einzige Form von Verhütung die dann bliebe, ist Enthaltsamkeit. Dass das für die Mehrheit keine Option ist, zeigt bei jedem Frühlingsspaziergang die Masse knutschender Pärchen. Wer gegen Sex ist, holt keine Wähler an die Urne.

Irland Keine Abtreibungen - nicht mal bei Vergewaltigungen

Irland

Keine Abtreibungen - nicht mal bei Vergewaltigungen

Nirgendwo in Europa sind die Abtreibungsgesetze so scharf wie in Irland. Jetzt wächst der Widerstand. Zu Besuch bei Aktivisten.   Von Ruth Eisenreich

Daher zielt der rechte Sexual-Wahlkampf nicht auf das Verhalten von Mann und Frau, sondern nur auf das der Frau. Macht, was ihr wollt, aber wenn die Frau schwanger wird, muss sie auch gebären. Es gibt durchaus menschenfreundliche Gründe, die für eine strenge Abtreibungspraxis sprechen. Etwa die Erkenntnis, dass einige pränatale Tests dazu führen können, dass nur noch zu 100 Prozent nicht behinderten Kindern das Leben geschenkt wird. Darüber sollten Linke wie Rechte diskutieren, aber doch nicht über die Frage, ob Frauen nach Vergewaltigung oder Missbrauch zum Austragen eines Kindes gezwungen werden sollten.

In Ländern mit halbwegs solider sexueller Aufklärung sinkt die Zahl der Abtreibungen kontinuierlich, weil weniger ungewollte Kinder gezeugt werden. Wozu also die Aufregung? Sie hat mehr mit dem Familienideal der neuen Rechten zu tun als mit einem realen Problem. Der Junggeselle Kaczyński, die geschiedene Le Pen, der Frauensammler Trump: Keiner von ihnen war in der lebenslangen Kleinfamilie zufrieden. Umso rigoroser glauben sie nun, ihre Version von privatem Glück durchsetzen zu müssen.