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Plastiktüten:Meere aus Müll

Auch wenn der Verbrauch sinkt: Umweltministerin Schulze will Kunststofftragetaschen verbieten. Zudem muss der Handel weniger Verpackungen für Obst verwenden.

Plastic waste is pictured at the bottom of the sea, off the island of Andros

Plastikmüll, der in die Meere gelangt, ist in den vergangenen Jahren zu einemd der größten Umweltthemen geworden.

(Foto: Stelios Misinas/Reuters)

Bundesumweltministerin Svenja Schulze will ein Verbot von Plastiktüten in Angriff nehmen. "Mein Ministerium erarbeitet gerade die gesetzliche Regelung für ein Plastiktütenverbot", sagte die SPD-Politikerin der Bild am Sonntag. Eine freiwillige Vereinbarung mit dem Handel zur Verringerung der Tüten sei bereits sehr erfolgreich, seit 2016 sinke der Verbrauch deutlich. "Das sichern wir jetzt mit dem Verbot ab", so Schulze. Das Ministerium wolle den Gesetzesentwurf "in Kürze" vorlegen, ergänzte ein Sprecher.

Zwar sind sehr viele Geschäfte und Supermärkte dazu übergegangen, nur noch Papier- oder Stofftaschen auszugeben. Die klassischen Plastiktüten an der Kasse kosten inzwischen meist etwas - dazu hatte das Umweltministerium eine freiwillige Selbstverpflichtung mit dem Handel vereinbart. Im Vergleich zu 2015 ist der Verbrauch nach Zahlen des Ministeriums um 64 Prozent zurückgegangen. Trotzdem gingen 2018 noch zwei Milliarden Kunststofftragetaschen an die Kunden - das entspricht 24 Plastiktüten pro Einwohner.

Die Plastikverschmutzung ist in den vergangenen Jahren weltweit zu einem der großen Umweltthemen geworden. In den Meeren treiben Plastikinseln von der Größe ganzer Städte, selbst abgelegene Küsten werden mit Altplastik überschwemmt. Die Umweltorganisation WWF schätzt, dass durch Plastikdreck 14 000 Tierarten bedroht sind, und fordert mit anderen Verbänden eine internationale verbindliche Konvention gegen die "Plastikflut". Bisher hat sich die Staatengemeinschaft nicht auf eine solche Vereinbarung einigen können. Dennoch wächst gerade in den Industriestaaten der Druck auf die Politik, mehr gegen das Problem zu unternehmen.

Das scheint nun zu wirken. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte bereits Ende Juli eine Bundesratsinitiative für ein deutschlandweites Plastiktütenverbot angekündigt. Umweltministerin Schulze hatte einen solchen Schritt bisher skeptisch gesehen. Noch im Frühjahr hatte ein Sprecher des Umweltministeriums gesagt, bei den Plastiktüten gehe es "im Grunde genommen um Peanuts": Sie machten weniger als ein Prozent des Verpackungsaufkommens aus Kunststoff aus.

Die neue Initiative aus dem Haus Schulze geht nun deutlich weiter. Auch andere Verpackungen wie die sogenannten Hemdchenbeutel oder Plastikfolien um Früchte sollen zurückgedrängt werden. Schulze will im Herbst eine weitere Vereinbarung mit dem Handel schließen, um bei Obst und Gemüse weniger Verpackungen zu erreichen.