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Plakate zur Europawahl:Ohne Bayern aber mit Wums

Die Plakatkampagne der Parteien zur Europawahl will vor allem eins - krampfhaft originell sein. Mit der Wahl haben sie meist wenig zu tun.

Bei der Planung von Plakatkampagnen richten sich die Parteien gemeinhin nach den Vorstellungen und Vorlieben ihrer jeweiligen Zielgruppen. Auch bei der Bayernpartei wird das vermutlich so praktiziert. Deshalb hat sie sich wohl auch zu einer aufwendigen Kampagne in Berlin und anderen Teilen Preußens entschlossen.

Fremdländisch wirkende Plakate in Berlin: Die Bayernpartei auf Stimmenfang.

(Foto: Foto: Getty)

Auf fremdländisch wirkenden Plakaten sind zwei Trachtenträger von hinten zu sehen. Dazu der Spruch: "Wollt Ihr nicht auch die Bayern loswerden? Dann wählt die Bayernpartei." Weil Anhänger der Loslösung des Freistaats von Deutschland in Bayern nur noch in sehr kleiner Zahl zu finden sind, wirbt jetzt die bei der Europawahl bundesweit auftretende Partei in Preußen für ihr Ziel. Und will hier die Wähler mit deren angeblichen Aversionen gegenüber Bayern ködern.

Informationen nur im Kleingedruckten

Parteien mit höheren Erfolgsaussichten und einer größeren Themenvielfalt tun sich mit solch klaren Aussagen schwerer. Das gilt in besonderem Maße für die Grünen. Sie standen vor der Herausforderung, ihr umfassendes Weltrettungskonzept gegen Klima-, Finanz-, und Wirtschaftskrise auf einen Begriff zu bringen. Weil sie keinen fanden, erfanden sie einfach einen: Wums. Interessierte Bürger, die näher an die grünen Plakate herantreten, erfahren im Kleingedruckten, dass dies die Abkürzung ist für Wirtschaft, Umwelt, menschlich und sozial. Die Kampagne komme bei der Basis bestens an, heißt es in der Parteizentrale.

"Unsere Strategie funktioniert wirklich gut: Der Wums ist in aller Munde und die Plakate sind in der Partei noch stärker nachgefragt als unsere Werbekampagne von 2004", versichert die Wahlkampfleiterin Steffi Lemke. Die Grünen hätten das kleinste Budget aller Parteien für die Europawahl und müssten mit geringen Mitteln Wirkung erzielen. Daher habe man es "bewusst darauf angelegt, bei den Betrachtern Aufmerksamkeit zu erregen, nicht glatt und langweilig zu sein, sondern unerwartet und ungewöhnlich." Das sei gelungen.

Für Gerede gesorgt zu haben, kann auch die SPD für sich in Anspruch nehmen, weshalb sie rundherum zufrieden ist mit ihrer umstrittenen Kampagne. "Finanzhaie würden FDP wählen", heißt es da. Die Linkspartei wird mittels Föhn mit heißer Luft in Verbindung gebracht und die CDU als Propagandist von Dumping-Löhnen. Mit der Europawahl hat das alles nicht viel zu tun, eher schon mit dem Bundestagswahlkampf - zumal die Grünen, der Wunsch-Regierungspartner der SPD im Bund, von dieser Art der Kritik ausgespart bleiben.

Platz eins für Silvana Koch-Merin

Im Willy-Brandt-Haus in Berlin vermeldet man stolz, die eigene Anhängerschaft sei damit mobilisiert worden. Über den Haien und Föhnen hängen inzwischen Großplakate, darunter eines des Europa-Spitzenkandidaten Martin Schulz mit SPD-Kanzlerkandidat und Außenminister Frank-Walter Steinmeier, ganz seriös und mithin weniger aufregend.

Die CDU wagte im Großen und Ganzen keine Experimente. Sie wirbt mit Plakaten in beruhigend-staatstragenden Blau und der Aufschrift "Wir in Europa". Inzwischen findet sich auf den Bannern das Konterfei der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel. Diese kandidiert ebenso wenig wie Frank-Walter Steinmeier für das Europaparlament, will aber am 27. September als Kanzlerin bestätigt werden. CDU-Plakate mit der Botschaft, dass die Europawahl keineswegs "scheißegal" sei, sind rar. Die CDU im Ostberliner Bezirk Pankow hat sie entworfen und wirbt damit, zumeist im eigenen Kiez.

Die Liberalen empfehlen sich bei den Wählern mit einem Foto ihrer Spitzenkandidatin Silvana Koch-Merin - ansprechend, aber doch auch nichtssagend. Der Wirkung muss das aber keinen Abbruch tun. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa fand im Auftrag des Hamburger Magazins Stern heraus, dass immerhin 13 Prozent der Bundesbürger inzwischen wissen, dass Koch-Merin die FDP-Liste für die Wahl am 7. Juni anführt.

SPD und Linke weit abgeschlagen auf Platz zwei

Den zweiten Platz teilen sich der SPD-Mann Martin Schulz und der Linkskandidat Lothar Bisky, von denen noch sechs Prozent spontan sagen können, dass es sich um die Spitzenkandidaten von SPD sowie der Linkspartei handelt. Ihre übrigen Mitbewerber, obgleich ebenfalls plakatiert, dürfen in ihren Funktionen als nahezu unbekannt gelten.

Ohnehin ist ein schönes Foto am Straßenrand manchen Wählern offenbar eher willkommen als ein frecher Spruch. Nutzer des Online-Dienstes der Bild-Zeitung wählten das FDP-Plakat mit 47 Prozent zum besten des Europa-Wahlkampfes. Der Finanzhai der SPD landete weit abgeschlagen auf Platz zwei mit nur 14 Prozent der Stimmen.

Immerhin Bronze gab es für die Linkspartei mit ihrer Forderung: "Millionäre zur Kasse." Allerdings verraten derartige Online-Umfragen mindestens so viel über die Nutzer wie über die Plakate. Bei sueddeutsche.de etwa landete der grüne Wums immerhin auf Platz eins der Kategorie "sehr einfallsreich."