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Plagiatsvorwürfe gegen Guttenberg:"Es geht so einfach nicht"

Und noch weitere Stellen hat die SZ gefunden, die bisher nicht bekannt waren und bei denen mindestens der Vorwurf einer schlampigen Zitierweise erhoben werden kann. Dies betrifft unter anderem die Göttinger Habilitationsschrift von Thomas Schmitz "Integration in der Supranationalen Union" aus dem Jahr 2001. Zwar nennt Guttenberg diese Schrift auf der Seite 148 seiner Dissertation in einer Fußnote; er verschweigt die Quelle dann aber auf den folgenden Seiten, in denen sich wortgleich Sätze aus Schmitz' Arbeit wiederfinden.

Guttenberg kann sich damit den Vorwurf einhandeln, "Scheinzitate" benutzt zu haben. So nennt der Experte Volker Rieble, Jura-Professor in München, Verweise auf Literatur, die das eigentliche Ausmaß einer Kopie und eines Plagiats verschleiern. Nach erster Sichtung der bekannten Fälle kommt Rieble zu einem harschen Urteil über Guttenbergs Dissertation: "Es geht so einfach nicht." Wörtliche Übernahmen müssten in jedem Fall gekennzeichnet werden.

"Prominenz kann kein Schutzschild sein"

Guttenberg nannte die vernichtenden Vorwürfe "abstrus", auch sein Doktorvater Peter Häberle stärkte ihm den Rücken und betonte, die wissenschaftliche Arbeit des Politikers sei "erstklassig". Die Dissertation trägt den Titel "Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU". Sie wurde 2009 in einem Fachverlag veröffentlicht. Alle Vorwürfe beziehen sich auf diese veröffentlichte Fassung. Guttenberg hatte nach eigenen Angaben im Vorwort im Vergleich zur eingereichten Version noch leichte Veränderungen vorgenommen.

Die Universität Bayreuth, die Guttenbergs Arbeit angenommen hatte, prüft nun den Fall. Guttenberg betonte in einer allgemeinen Stellungnahme, dass seine Dissertation seine eigene Leistung gewesen sei und Mitarbeiter seines Büros nicht an der wissenschaftlichen Erarbeitung der Dissertation mitgewirkt hätten.

Ein Kapitel der Arbeit, in dem es um den "Gottesbezug in den Verfassungen" geht, beruht auf einem Vortrag, den Guttenberg im Mai 2004 gehalten hat. Dies besagt eine Fußnote zu Beginn des Kapitels. Darin heißt es zudem, dass die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages "wichtige Grundlagenarbeit für den Vortrag" geleistet hätten. Es handelt sich dabei um das Kapitel, in dem auch jene Passagen stehen, die wortgleich sind zu Klara Obermüllers Artikel in der NZZ am Sonntag.

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) betonte am Mittwoch, es gelte auch für den Verteidigungsminister die Unschuldsvermutung, allerdings: "Prominenz kann kein Schutzschild sein", sagte ein DHV-Sprecher. Die Vorwürfe müssten geklärt werden. Wenn sie sich als triftig herausstellten, müsse die Universität Bayreuth Konsequenzen daraus ziehen. Der DHV ist die Standesvertretung der Professorenschaft in Deutschland und hat seit einigen Jahren den Kampf gegen Plagiate verschärft.

© SZ vom 17.02.2011/mob

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