Piratenchef Schlömer "Wir verkörpern das Lebensgefühl der jüngeren Generation"

Aber verlangen die Wähler von Parteien nicht auch Antworten auf die drängenden Probleme?

Politische Parteien werden auch gewählt, weil man man glaubt, die Partei tickt so wie ich auch. Parteien werden nicht nur gewählt, weil sie zu jedem Sachthema vorgeben, eine konkrete Lösung zu haben. Nichtsdestotrotz müssen wir beides sinnvoll kombinieren. Wir müssen eine Partei sein, die Beteiligung und damit direkte Demokratie im Internetzeitalter auf die Agenda setzt und sich dafür einsetzt, Wissen frei zur Verfügung zu stellen. Damit verkörpern wir das Lebensgefühl und die Lebensart der jüngeren Generation.

Das wirkt paradox: Sie wollen sich wieder mehr ihrer Wurzeln in der digitalen Welt entsinnen. Gleichzeitig suchen sie ein geschlossenes Programm jenseits ihrer Kernthemen Internet und Transparenz.

Wir brauchen beides. Die Partei versucht, Lösungen für ein Leben in modernen Gesellschaften anzubieten, die von Freiheit, Individualität und Selbstbestimmtheit geprägt sind. Dieser Liberalismus neuerer Art ist gekoppelt mit einer grundsätzlichen Staatsskepsis, aber auch mit der Forderung, dass wir wesentlich stärker als bislang auch für gemeinwohlorientiertes Handeln eintreten müssen. Ich bezeichne das als Sozialliberalismus.

Woraus sollte Ihrer Meinung nach das Wahlprogramm der Piraten bestehen?

Meiner Meinung nach sollten uns zum Thema Offenheit und Transparenz äußern und den Bereich Verbraucherschutz prominent besetzen. Das Thema direkte Demokratie ist sicherlich ein weiteres strategisches Feld. So wie auch die Energiewende.

Energiewende, Verbraucherschutz - haben Sie keine Sorge, dass die Piratenpartei bald wie ein schlecht sortierter Gemischtwarenladen wirkt?

Wir vereinen viele verschiedene Strömungen in der Partei. Eine große Zahl der Mitglieder interessiert sich für Umweltpolitik. Gerade die Energiewende ist ein Feld, das für die Piraten immer schon von Interesse war, weil es auch bei Strom und Wärme um Netze geht, um technische Infrastrukturen - wie beim Internet.

Niedersachsen hat ja gezeigt, dass es zu einem Lagerwahlkampf kommen wird. In welches Lager schlagen sich die Piraten?

Wir haben das im Bundesvorstand bislang nur intern diskutiert: Wie verhalten wir uns zu Steinbrück? Wie verhält sich die Piratenpartei zu Rot-Grün? Ich selber werde der Partei empfehlen, sich positiv von Rot-Grün abzugrenzen. Denn auch mit SPD und Grünen wird kein wirklicher Politikwechsel stattfinden. Sie buhlen beide um die CDU. Letztlich werden wir alle herausfordern, wir stehen für eine andere Politik.