Piraten vor der Bundestagswahl:"Es ist wirklich das offizielle Protokoll!"

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Schriftführer an dem Nachmittag war Christoph Schönfeld. Er ist Landesschatzmeister der Piraten in Baden-Württemberg und bekommt jetzt einen Großteil der Häme ab. Erst einmal klärt er auf, dass das Protokoll keine Satire sei. "NEIN ES IST WIRKLICH DAS OFFIZIELLE PROTOKOLL", twittert er in Großbuchstaben. Verantwortung will er aber nicht übernehmen: "Ich muss mich jetzt als Schriftführer rechtfertigen, warum Kandidaten doof und Wähler gewählt (sic!). Vielen Dank, das hebt meine allgemeine Laune".

Stellung will er auch nicht mehr nehmen. Landespiratenchef Lars Pallasch erklärt gegenüber SZ.de, Schönfeld sei im Urlaub und wohl nicht zu erreichen.

Noch am heutigen Abend wollen die Landesvorstände informell zusammenkommen, um das weitere Vorgehen zu beraten. Auch wenn Pallasch auf den ersten Blick "keinen formalen Fehler" erkennen kann und eigentlich alles für "nicht so tragisch" hält. Allerdings findet er schon schwierig, dass beide Kandidaten so wenig über die Piraten gewusst hätten. Und stellt in den Raum, dass der Landesvorstand jederzeit und ohne Begründung eine Wiederholung der Kandidatenwahl anordnen könne. Das will er aber nicht als Vorfestlegung verstanden wissen.

Spannend ist auch die Frage, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Dazu müsste eigentlich Jochen Schmidberger, Vorsitzender des Bezirksverbandes Tübingen, etwas sagen können. Der Wahlkreis 295 gehört zu seinem Zuständigkeitsbereich. Auf eine schriftliche Anfrage per Mail reagiert Schmidberger zunächst via Twitter: "Scheiße! Süddeutsche will einen Rückruf."

"Ich mach' das jetzt nicht mehr"

Am Telefon erklärt er später seine Nichtzuständigkeit. Er sei schon vor einem Monat als Bezirksvorsitzender zurückgetreten. Zur Sache kann er aber beitragen, dass es in der Gegend immer schon schwierig war für die Piraten. 59 Piraten gebe es dort. Doch schon bei der Aufstellung der Kandidaten für die Landtagswahl brauchte es drei Anläufe, um überhaupt jemanden zu küren. Zweimal wurde die erforderliche Mindestzahl von drei stimmberechtigten Mitgliedern nicht erreicht. Immerhin: Das hat jetzt auf Anhieb geklappt.

Der unterlegene Erwin Philippzig hatte sich noch auf die Bewerberliste für die Landesliste gesetzt, die Mitte September auf einem Landesparteitag festgelegt werden soll. Das hat sich der selbständige Schweißer aber inzwischen anders überlegt. Zu SZ.de sagt er: "Ich mach' das jetzt nicht mehr." Auf die Frage, warum er überhaupt mit einer Kandidatur für den Bundestag geliebäugelt habe, antwortet er: "Wollte mal was anderes machen."

Jetzt will er einen Roman schreiben. Arbeitstitel: "In den Fängen der Mafia." Vielleicht hat er damit mehr Erfolg.

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