bedeckt München 19°
vgwortpixel

Piraten lehnen Wiedereintritt ab:Andere Piraten haben längst das Ruder übernommen

Hinter den Nickeligkeiten dürfte auch die Tatsache stecken, dass bei den Piraten längst andere das Ruder übernommen haben. Zum Beispiel der Berliner Abgeordnete Christopher Lauer, der bei Twitter beinahe minütlich Botschaften absetzt. Nicht alle haben etwas mit Politik zu tun. Dennoch ist Lauer längst ein gefühlter Spitzenpolitiker - arrivierte Bundestagsabgeordnete wie Volker Beck von den Grünen oder Peter Altmaier, Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion, diskutieren bei Twitter mit ihm.

Je erfolgreicher die Piraten in Umfragen sind - derzeit kommen sie bundesweit auf etwa sieben Prozent -, desto mehr scheinen sich die etablierten Parteien um einen guten Draht zu den Freibeutern zu bemühen. Der medienaffine Lauer - mit seiner Kandidatur als Bundesvorsitzender an Sebastian Nerz gescheitert - ist dafür genau der Richtige. Im Gegensatz zu Tauss.

Der klagt nun, "die Truppe um Herrn Lauer" habe ihm bereits im Frühjahr gesagt, er solle sich in Berlin nicht mehr blicken lassen. Er habe gewissermaßen "Stadtverbot" bekommen. Das sei "Stalinismus", klagte Tauss im Gespräch mit sueddeutsche.de.

Lauer war für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen nicht zu erreichen. Im September hatte er die Aufnahme Tauss' in die Partei als "naiv" und als "Kinderkrankheit einer jungen Partei" bezeichnet.

Trotz der Absage will Tauss nicht aufgeben. Er erhält seinen Mitgliederantrag aufrecht. Gerade die "Fehlentwicklungen in Berlin" spornten ihn an, weiterzumachen, sagt er. Seiner ehemaligen Partei bescheinigt er ein "gestörtes Verhältnis zur Resozialisierung". Ein Sprecher der Partei teilte auf Anfrage von sueddeutsche.de mit, die Angelegenheit sei mit dem abschlägig beschiedenen Mitgliedsantrag für sie erledigt.

Bei Twitter geht die Debatte um Tauss jedoch weiter. Ein Pirat teilte mit, er führe "Freudentänze in der Küche auf", weil Tauss "draußen bleiben" müsse. "Als Pirat und Familienvater sende ich ein großes Danke", schrieb ein anderer. Tauss zitiert auch solche Meldungen gerne in seinem Blog.

Manch ein Polit-Freibeuter befürchtet nun, der Streit um den Ex-Piraten könne die politische Arbeit der Partei in den Hintergrund rücken lassen. puz_le twittert etwa: "Bei oberflächlicher Durchsicht der Nachrichten heute waren mind. 5 #Piraten-Themen dabei, aber die regen sich lieber über @tauss auf. #fail"