Piraten im Saarland Das Problem an der Basis

Das zweite große Problem aus Sicht der Abgeordneten: ausgerechnet die eigene Parteibasis. Zuletzt konnten sich die Saar-Piraten auf ihrem Parteitag nur darauf einigen, zum Mittagessen Pizza und keine China-Kost zu bestellen. Über mehr nicht. Hilberer trat als Parteichef nicht mehr an. Er war müde.

"Eskaliert ist es im Endeffekt, als der Wunsch aufkam, wochenlang darüber zu diskutieren, ob ein Plakat blau oder orange sein sollte." Beim Wähler komme da die Botschaft an: Die sind mit sich selbst beschäftigt, die sind unwählbar. Jetzt aber, sagen die drei, sei es besser, man habe sich "gesundgestoßen". Die, die während des Hypes Mitglied geworden sind und mit denen man nicht arbeiten könne, würden die Partei verlassen.

2017 könnten die Piraten wieder aus dem Parlament fliegen

Der gesundgestoßene Rest der Piratenbasis hat einen Infoabend in einem Lokal in Merzig. Um 20 Uhr soll es losgehen, um 19.55 Uhr ist noch kein Mensch da. "Die Piraten?", sagt ein Gast und deutet auf einen leeren Tisch. "Die sitzen immer da. Aber jetzt sind sie verschwunden. Wie die FDP." Zehn Minuten später kommt Michael Grauer mit einer Piraten-Tischfahne und baut sie auf. Bei den Ortsratswahlen in Merchingen (939 Einwohner) hat Grauer 19,5 Prozent der Stimmen bekommen. Er hatte die Idee, den Abend "Infoabend" zu nennen, weil das einladender klingt als "Stammtisch". Bisher kam aber noch nie jemand, um sich zu informieren.

Vier weitere Piraten trudeln ein. Wenn man ehrlich sei, sagen sie, war die Partei ja nie wirklich bei 7,4 Prozent. Da seien viel Illusionen und überzogene Erwartungen dabei gewesen. Die eigene Landtagsfraktion loben sie aber, vor allem ihren Abgeordneten Hilberer.

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Der versucht derweil, seiner Partei ein Profil zu geben. Linksliberal soll es sein. Protestwähler, sagt er, wolle er nicht haben - obwohl die zu einem großen Teil dafür verantwortlich sind, dass er heute im Landtag sitzt. Ebenso wolle er keine Fundamental-Opposition gegen die schwarz-rote Mehrheit bilden. Die Piraten müssten vielmehr als regierungsfähige Partei wahrgenommen werden, diesen Anspruch erhebt Hilberer schon.

Die Realität allerdings ist eine andere: Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, dann werden die Piraten bei der nächsten Wahl 2017 wieder aus dem Parlament fliegen. Die Situation ist frustrierend, das leugnet keiner der drei Parlamentarier, doch groß darüber reden wollen sie nicht. Denn das würde bedeuten, das Spiel schon vor dem Abpfiff verloren zu geben.

"Wir wollen zur Wahl ein gutes Angebot machen, und wenn es nicht reicht, dann ist das halt so", sagt Hilberer. Die Partei wechseln wie ihr Ex-Fraktionskollege? Nein, das schließen sie aus. Nach einer Wahlniederlage würden sie alle drei wieder in ihre Berufe zurückgehen. "Aber zwei Jahre haben wir ja noch", sagt Augustin, "wenn mir zwei Jahre vor der letzten Wahl jemand gesagt hätte, dass ich Abgeordneter werde, hätte ich ihn für komplett bescheuert erklärt."