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Physik-Nobelpreis:Respekt

Diese Auszeichnung kommt gerade recht in einer Zeit, in der Virologen angefeindet werden: Zwei Männer und eine Frau erhalten den Nobelpreis, die gezeigt haben, dass Schwarze Löcher keine Spinnerei sind - ein Beispiel dafür, was die Wissenschaft leisten kann.

Von Marlene Weiss

Im April 2019 ging das erste direkte Bild eines Schwarzen Lochs um die Welt, nicht einmal zwei Jahre ist das her. Im Nachhinein wirkt es wie eine Anekdote aus einer anderen Zeit: Damals, als die Menschheit für einen Moment aufseufzen konnte über ein Wunder der Raumzeit und den erstaunlichen Erfolg der Wissenschaft. Coronaviren waren da fast nur Experten ein Begriff. Auch die Angriffe auf die Forschung waren noch nicht so alltäglich wie heute, da Virologen Drohbriefe erhalten und Populisten wissenschaftliche Fakten tagaus, tagein nach Gutdünken an die eigenen Vorstellungen anpassen.

Nun geht der Physik-Nobelpreis an zwei Männer und eine Frau, die schon lange vor der Aufnahme des vergangenen Jahres gezeigt haben, dass Schwarze Löcher real sind, nicht nur eine mathematische Spinnerei - und dass sich aller Wahrscheinlichkeit nach auch im Zentrum unserer Milchstraße ein gigantisches Exemplar befindet.

Es ist nicht nur eine verdiente Auszeichnung, sondern auch eine, die in dieser Zeit gerade recht kommt. Sie feiert das Staunen, die gemeinsame Anstrengung, um Dinge fassbar zu machen, die so viel größer sind als man selbst. Dieser Nobelpreis erinnert daran, wie weit Wissenschaft die Menschen gebracht hat. Dafür, sollte man meinen, verdient sie wenigstens eines: Respekt.

© SZ vom 07.10.2020
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