Reportage aus Marawi Wie die Philippinen gegen den IS kämpfen

Islamischer Staat Kampf um Marawi City Bilder

Der IS auf den Philippinen

Kampf um Marawi City

Seit mehreren Wochen kämpft das philippinische Militär auf der Insel Mindanao gegen Terroristen des sogenannten Islamischen Staates. Die Islamisten haben sich in der Stadt Marawi verschanzt.

Marawi ist eine Todeszone, eine zerschossene und zerbombte Stadt der Philippinen. Über dem Zentrum weht die schwarze Flagge der Terrormiliz IS. Die Armee setzt zur Offensive an.

Reportage von Arne Perras, Marawi

Der Präsident hat Nachschub angefordert für die Offensive. Und hier, an einem Checkpoint im Westteil von Marawi, sind die neuen Truppen schon angekommen: Junge Männer mit kurz geschorenen Köpfen, sie tragen Camouflage, haben Schnellfeuergewehre und gekreuzte Patronengürtel auf der Brust. Einer ist so gut gebaut, dass er es vielleicht mit Manny Pacquiao aufnehmen könnte, der philippinischen Boxerlegende.

Aber dies ist kein Boxring. Marawi ist eine Todeszone, eine zerschossene und zerbombte Stadt der Philippinen. Und die Soldaten wissen, dass der Einsatz gefährlicher sein wird als alles, was sie bisher mitgemacht haben.

Im Stadtkern, jenseits des Flusses, haben sich islamistische Terroristen mit Geiseln verschanzt. Ihre Anführer, die Brüder Omar und Abdullah Maute, lassen schwarze Fahnen des IS wehen. Das hat die Weltgemeinschaft aufgerüttelt und schürt Sorgen, dass die Extremisten auf der Insel Mindanao eine asiatische Provinz des sogenannten Islamischen Staates begründen könnten. Deshalb braucht das philippinische Militär nun jeden Mann.

Die Häuser rund um den Checkpoint sind verlassen, nur ein Hund humpelt über den Asphalt und stöbert im Graben nach Futter. Die Soldaten der Infanterie bewachen das, was die Armee ein "gesichertes Gebiet" nennt. Aber was ist schon sicher in Marawi? "Hier schlagen schon mal verirrte Kugeln ein", sagt einer der Soldaten, der sich unter ein rostiges Wellblechdach zurückzieht, weil es zu regnen beginnt.

"Ich wäre jetzt gerne bei meiner Familie"

Aus dem Osten hallen Gewehrsalven herüber. "600 Meter die Straße runter, da wird es bereits heikel," sagt er. "Bald gehen wir auch da rein." Aber der Soldat kommt von weit her und kennt Marawi nicht, das ist kein Vorteil im Häuserkampf, Block um Block, Straße um Straße. Die Gegner kennen hier jeden Winkel. So redet man noch eine Weile, dann sagt der Soldat plötzlich: "Ich wäre jetzt gerne bei meiner Familie."

Ein Gedanke treibt ihn besonders um: "Die haben Scharfschützen. Und wir hören, dass sie gut sind." Wenn der Gegner so beweglich ist, wie Armeesprecher Joar Herrera sagt, dann können diese Heckenschützen überall und nirgends sein, sie bewegen sich wie tödliche Phantome, und das setzt der Truppe zu.

Anfangs erweckte die Armee den Eindruck, dass sie den Gegner rasch bezwingen könne, doch daraus wurde nichts. Jeden Tag fliegen Bomber Luftangriffe auf das Geschäftsviertel, man sieht den dicken Rauch aufsteigen, und es hallen dumpfe Salven der Kampfhubschrauber über die Hügel. Trotz des Bombardements und der Gefechte, die Marawi in ein Trümmerfeld verwandeln, sind die Milizen nicht bezwungen. Das könnte auch daran liegen, dass noch etwa 600 Zivilisten in der Kampfzone gefangen sind. Die Armee behauptet, der Gegner setzte einige von ihnen als menschliche Schutzschilde ein. Überprüfbar ist das nicht.

"Wir haben beide Seiten aufgerufen, das Leben der Zivilisten zu schonen und uns zu erlauben, sie möglichst schnell herauszuholen", sagt Martin Thalmann vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK). Doch alle Versuche, eine Waffenruhe auszuhandeln, sind bislang gescheitert.

Das Militär versichert, es nehme auf die Eingeschlossenen Rücksicht. Wo die Aufklärung Zivilisten am Boden ausmache, werde nicht bombardiert, sagt Herrera. Doch ob das die Eingeschlossenen tatsächlich schont, weiß hier keiner.