Israel hat eigenen Angaben zufolge die Pufferzone zwischen dem Gazastreifen und Ägypten vollständig unter seine Kontrolle gebracht. Das heiße nicht, dass über den kompletten sogenannten Philadelphi-Korridor Bodentruppen verteilt seien, sagte ein israelischer Militärvertreter. "Aber es bedeutet, dass wir die Sauerstoffleitung, die die Hamas zur Versorgung und für die Bewegung in und um das Gebiet verwendet, kontrollieren und abschneiden können", sagte der Insider. Bei dem Einsatz des israelischen Militärs im Gebiet Rafah an der Grenze zu Ägypten seien innerhalb von zehn Tagen 20 Tunnel entdeckt worden, die nach Ägypten führten. Diese Informationen seien an Ägypten weitergegeben worden. "Gemeinsam mit den Ägyptern müssen wir sicherstellen, dass der Waffenschmuggel verhindert wird", hatte der Sicherheitsberater von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Zachi Hanegbi, mitgeteilt, als er bekannt gab, dass der Korridor zu drei Viertel eingenommen sei.
Israel hatte Anfang des Monats seine Militäroffensive auf palästinensischer Seite der Grenze verstärkt und die Kontrolle über Rafah übernommen. Der Grenzübergang war ein wichtiger Zugangspunkt für humanitäre Hilfe. Nach palästinensischen Angaben gibt es keine Hinweise darauf, dass der Grenzübergang Rafah vom Gazastreifen nach Ägypten bald für wichtige Hilfslieferungen geöffnet werden könnte. "Seit der Schließung haben wir keine Anzeichen dafür, dass die Israelis eine baldige Öffnung wünschen", sagte der palästinensische Gesundheitsminister Madsched Abu Ramadan.
Israel war am Mittwoch zunächst weiter mit Panzern in Rafah vorgedrungen, bevor es sich in die Pufferzone zurückzog. Sicherheitsberater Hanegbi zufolge wird der Krieg mindestens noch dieses Jahr anhalten. Israel sei nicht zu einem Ende bereit, wie es die Hamas im Rahmen eines Abkommens gefordert hatte, das den Austausch von Geiseln gegen palästinensische Gefangene vorsah.
Im Gazastreifen sind nach Angaben der dortigen Gesundheitsbehörde seit Kriegsbeginn bei israelischen Angriffen mindestens 36.171 Menschen getötet worden. Die Gesamtzahl der Opfer dürfte deutlich höher sein. Die Vereinten Nationen haben die Angaben der Gesundheitsbehörde mehrfach als glaubwürdig bezeichnet. Nach israelischen Angaben ist unter den Toten eine fünfstellige Zahl Hamas-Kämpfer.