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Pflege:Immer wenn sie Pillen nehmen

Bei Menschen, die daheim gepflegt werden, kommt es oft zu Problemen mit den Medikamenten.

Drei Viertel der Menschen, die Angehörige zuhause pflegen, versorgen diese auch mit Medikamenten. Zwei von drei unter ihnen empfinden das als schwierig und belastend. 77 Prozent geben an, dass es dabei auch zu Problemen gekommen sei. Das geht aus einer bundesweiten Studie hervor, die das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP), eine Stiftung der privaten Krankenversicherer, am heutigen Montag in Berlin vorstellt.

Zu den häufigsten Problemen zähle, dass ein benötigtes Medikament aufgebraucht sei, zum falschen Zeitpunkt angewendet oder von Pflegebedürftigen abgelehnt wurde. Für die richtige Einnahme von Medikamenten zu sorgen, sei eben "nicht trivial", betont der ZQP-Chef Ralf Suhr. Schwierig werde es, "wenn die pflegebedürftige Person vielleicht schlecht greifen oder schlucken kann, die Medikamente immer wieder vergisst oder nicht einnehmen möchte." Das führe bei den pflegenden Angehörigen zu "anhaltendem Stress".

Die Studie verweist auf Untersuchungen, wonach die Mehrheit der pflegebedürftigen Menschen ab dem 60. Lebensjahr fünf oder mehr Wirkstoffe verschrieben bekomme. Das erhöhe das Risiko für Medikationsfehler oder unerwünschte Arzneimittelwirkungen. Die Forschung habe gezeigt, dass auch ambulante Pflegekräfte in Gefahr seien, Fehler zu machen, etwa durch "die Gabe nicht angezeigter Präparate" oder "eine Gabe in falscher Dosierung". Diese Fehler seie nicht zuletzt Folge mangelnder Qualifikation oder Kompetenz. All das, legt die ZQP-Studie nahe, gilt natürlich erst recht für pflegende Angehörige, die auf diesem Gebiet in der Regel völlige Laien sind.

2,6 Millionen pflegebedürftige Menschen werden in Deutschland laut Statistischem Bundesamt derzeit zuhause betreut. Oft fehlt es an professioneller Unterstützung, das gilt auch für den Umgang mit Medikamenten: Zwei Drittel der Teilnehmer der ZQP-Studie gaben an, dass sie diese Aufgabe meist ohne fremde Hilfe erledigten. Es bestünden daher "Risiken sowohl für die Gesundheit der Pflegebedürftigen als die der Angehörigen", resümiert die Studie.

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