AfD:Bystron soll Scheinadresse in München nutzen

Lesezeit: 1 min

Gegen den AfD-Politiker Petr Bystron gibt es neue Vorwürfe. (Foto: Carsten Koall/dpa)

Ermittlungen wegen Geldwäsche und Bestechlichkeit, ein vorläufiger Wahlkampfstopp - und jetzt gibt es auch noch Vorwürfe wegen Bystrons Anschrift.

Fünf Stockwerke hat das Haus in der Münchner Maxvorstadt und ein schmuckloses gelb gestrichenes Treppenhaus. Hier ist Petr Bystron gemeldet, aber ganz offensichtlich wohnt er nicht hier. Weder am Klingelschild noch an den Briefkästen klebt sein Name, auch an keiner der Wohnungstüren führt eine Spur zu ihm. Dabei, so zumindest auf dem Papier, soll hier der Lebensmittelpunkt des Bundestagsabgeordneten sein, wenn er in Sitzungswochen nicht in Berlin weilt.

Nach dpa-Informationen gehen Ermittler dem Verdacht nach, dass der AfD-Politiker eine Scheinadresse als Wohnsitz in seinem Wahlkreis im Münchner Norden angegeben haben könnte. Es soll auch Geld geflossen sein. Spiegel und ZDF hatten zuerst über die neuen Vorwürfe berichtet. Doch Bystron bestreitet, dass es sich um eine Scheinwohnung handelt.

"Ich habe einen ordnungsgemäßen Mietvertrag, werde jedoch am Einzug gehindert, weil sich der Vormieter weigert, auszuziehen", sagte Bystron der dpa. "Sobald die Wohnung gerichtlich geräumt wird, werde ich sie auch beziehen." Die Vorwürfe bezeichnete er als "Kampagne", die das Ziel habe, "mich und die AfD bei den Wahlen zu beschädigen".

Die Generalstaatsanwaltschaft München wollte sich auf Nachfrage wegen des laufenden Verfahrens nicht zu den Vorwürfen äußern. Bezüglich sämtlicher Vorwürfe gilt bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens die Unschuldsvermutung.

Der jüngste Verdacht ist nicht der einzige gegen den 51-Jährigen, der auf Platz zwei der Europawahlliste seiner Partei steht. Mitte Mai hatte der Bundestag seine Immunität aufgehoben, weil die Generalstaatsanwaltschaft wegen des Anfangsverdachts der Bestechlichkeit und der Geldwäsche gegen Bystron ermittelt. Polizisten durchsuchten sein Abgeordnetenbüro in Berlin sowie Räume in Bayern und auf Mallorca. Bystron selbst bezeichnete das Verfahren als politisch motiviert. Er rechne damit, dass das Verfahren eingestellt werde, "wenn die Wahl vorbei ist".

Bystron und der AfD-Spitzenkandidat für die Europawahl, Maximilian Krah, sind seit Wochen wegen möglicher Verbindungen zu prorussischen Netzwerken in den Schlagzeilen. Staatsanwaltschaften prüfen laut Medienberichten mögliche Geldzahlungen bei beiden Politikern. Nach der Durchsuchungsaktion verzichtete Bystron vorläufig auf Wahlkampfauftritte für die AfD - unter Verweis auf familiäre Gründe.

© SZ/dpa/saul/lenakampf - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

SZ PlusEU-Wahlprogramme im Check
:Gruseln mit Rechten

Wenn alles in Schutt und Asche liegt: Zur Rhetorik des EU-Wahlprogramms der AfD.

Von Hans Hütt

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: