Inmitten einer tiefen politischen Krise hat in Peru die Präsidentenwahl begonnen. Rund 27 Millionen Menschen sind aufgerufen, am Sonntag einen neuen Präsidenten sowie den Kongress zu wählen. Da unter den 35 Präsidentschaftskandidaten voraussichtlich keiner die für einen Sieg erforderliche absolute Mehrheit von 50 Prozent erreichen wird, gilt eine Stichwahl am 7. Juni als wahrscheinlich. Erste Ergebnisse der Abstimmung werden kurz nach Schließung der Wahllokale am späten 17.00 Uhr Ortszeit (24.00 Uhr MESZ) erwartet.
Bei der Abstimmung werden in dem südamerikanischen Land neben dem höchsten Staatsamt auch die 60 Sitze im Senat und die 130 Sitze in der Abgeordnetenkammer neu besetzt. Nach einer Wahlrechtsreform zur Einführung eines Zweikammernsystems wird erstmals seit Jahrzehnten wieder ein Senat gewählt.
Wichtigstes Wahkampfthema: Steigende Kriminalität
Zu den Favoriten bei der Präsidentenwahl gehört Keiko Fujimori. Die Tochter des wegen Menschenrechtsverletzungen verurteilten Ex-Präsidenten Alberto Fujimori tritt für die konservative Partei Fuerza Popular an und bewirbt sich bereits zum vierten Mal um das höchste Staatsamt. Gute Chancen werden auch dem ultrakonservativen Ex-Bürgermeister der Hauptstadt Lima, Rafael López Aliaga, und dem Komiker Carlos Álvarez eingeräumt.
Das wichtigste Thema im Wahlkampf war die zunehmende Kriminalität. So hat sich die Mordrate in dem südamerikanischen Land seit 2019 verdoppelt. Auch Schutzgelderpressung und Bandenkriminalität haben deutlich zugenommen.
Die politische Lage in Peru ist äußert instabil und von einem ständigen Konflikt zwischen dem Parlament und der Regierung geprägt. Der derzeit amtierende Präsident José María Balcázar hat die Amtsgeschäfte erst Mitte Februar übernommen und ist bereits der achte Staatschef in knapp zehn Jahren. Der letzte peruanische Präsident, der seine fünfjährige Amtszeit beendet hat, war Ollanta Humala, der von 2011 bis 2016 regierte.

