Präsidentenwahl in Peru:Die Stimmung droht zu kippen

Lesezeit: 2 min

Pedro Castillo / Präsidentenwahl in Peru

Der linke Kandidat Pedro Castillo feiert am Montag in Lima mit seinen Anhängern.

(Foto: Paolo Aguilar/Imago)

In Peru liegt der linke Kandidat Pedro Castillo knapp vorn im Rennen um das Präsidentenamt. Doch noch sind nicht alle Stimmen ausgezählt.

Von Christoph Gurk, Buenos Aires

Die Auszählung der Präsidentschaftsstichwahl vom Sonntag in Peru hält weiter an, gleichzeitig wird die Stimmung in dem südamerikanischen Land immer angespannter. Nach Auswertung von mehr als 97 Prozent der Wahlzettel liegen beide Kandidaten immer noch fast gleichauf. Sah es zunächst so aus, als ob die rechte Kandidatin Keiko Fujimori gewinnen könnte, hat der linke Kandidat Pedro Castillo mittlerweile aufgeholt und seinerseits einen leichten Vorsprung mit 50,3 Prozent.

Am Montagabend zogen Anhänger des ehemaligen Dorfschullehrers und Gewerkschafters jubelnd durch die Straßen der Hauptstadt Lima und mehrerer anderer Städte des Landes. Castillo selbst rief dazu auf, die Ruhe zu bewahren, gleichzeitig aber auch die Demokratie zu verteidigen. "Der Wille des Volkes muss respektiert werden."

Fujimori wiederum lud am späten Montagnachmittag zu einer Pressekonferenz, in der sie angebliche Unregelmäßigkeiten in Wahllokalen kritisierte. Dahinter stecke ein Plan der Partei von Castillo. Beweise für ihre Anschuldigungen legte Fujimori allerdings nicht vor. Beide Kandidaten hatten noch am Sonntag bei der Stimmabgabe versprochen, das Ergebnis der Wahl anzuerkennen.

Nachdem anfänglich vor allem Stimmen aus der Hauptstadt und urbanen Bezirken ausgezählt worden waren, in denen Fujimori oftmals gewinnen konnte, werden nun vor allem die Wahlzettel aus ländlichen Regionen ausgewertet. Hier wiederum hat eine Mehrheit für Castillo gestimmt: Er steht für eine Abkehr der wirtschaftsfreundlichen Politik der letzten Jahre und will die Reichtümer aus dem Rohstoffabbau neu verteilen. Die öffentliche Daseinsvorsorge soll gestärkt werden, dazu viel Geld in Bildung fließen.

Fujimori-Anhänger hoffen auf die Auslandsstimmen

Gegner Castillos allerdings befürchten eine Gleichschaltung der Presse, eingeschränkte Freiheiten und Enteignungen. Nachdem Castillo am Montagmittag Ortszeit bei der Stimmauszählung in Führung gegangen war, brach die Landeswährung Sol ein und die Kurse an der Börse sackten ab.

Die Anhänger von Fujimori setzen ihre Hoffnung nun in die Auszählung der Stimmen aus dem Ausland. Es gibt große peruanische Gemeinschaften in Nachbarländern, zudem in den USA und Spanien. Hier könnten viele Wähler für die rechte Kandidatin gestimmt haben.

Fujimori ist die Tochter des peruanischen Ex-Präsidenten Alberto Fujimori, der das Land in den Neunzigerjahren autoritär regiert hat und heute wegen Menschenrechtsverbrechen in Haft sitzt. Sie selbst steht unter schwerem Korruptionsverdacht und saß bereits in Untersuchungshaft. Im Wahlkampf hat Fujimori eine harte Hand gegen Verbrechen und Kriminalität versprochen und eine Fortführung des wirtschaftsfreundlichen Kurses der letzten Jahrzehnte.

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