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Personalwechsel bei den Grünen:"Die Zeit möchte ich mir nehmen"

Allerdings klingt Peter auf Nachfrage dann doch noch etwas vorsichtiger: Mit der Formulierung, sie sei "offen für eine Kandidatur", sei noch nicht endgültig gesagt, dass sie auch antrete. Sie stehe bereit, sagt sie, wenn die Partei sie wolle, und werbe nun um weitere Unterstützung. Eins nach dem anderen, also.

Sie hat es mit einer in diesen Dingen hochprofessionellen Gegnerin zu tun: Lemke. Die hat als Managerin des Wahlkampfs seit Sonntagabend einen äußerst schweren Stand, aber aufgegeben hat sie nicht. Sie lotet aus, ob es nicht doch eine Chance gibt - und formuliert öffentlich so: Es gebe am Wochenende "wichtige Treffen mit der Partei und in den Gremien". Die Debatten seien ihr "sehr wichtig", erklärt sie. "Die Zeit möchte ich mir nehmen."

Nichts ist also entschieden - und in der Fraktion? Da sehen viele Göring-Eckardt im Vorteil, weil sie zwar offiziell zum Realo-Lager gehört, sich mittlerweile aber deutlich nach links bewegt hat. Sie geht auch bereits aufs Ganze und gibt ebenfalls am Donnerstag bekannt, dass sie ihr Amt als Synodenpräses der Evangelischen Kirsche in Deutschland niederlegt. Allerdings gibt es auch Vorbehalte gegen sie - schließlich sei sie Spitzenkandidatin gewesen und damit Teil jener Riege, die Konsequenzen aus dem Wahlergebnis ziehen sollte.

Intern wird damit gerechnet, dass sie sich dazu an diesem Freitag noch einiges anhören muss. Nach Sitzungen der Parteigremien mit Beteiligung der Landesverbände treffen sich die Realos am Vorabend des Länderrats in Berlin-Mitte, um ihre Positionen zu klären (während die Linken in Kreuzberg zusammen kommen). Unter anderem aus Baden-Württemberg, wo Andreae starken Rückhalt hat, wird Gegenwind für Göring-Eckardt erwartet.

Andreae hingegen hat das Problem, dass sie für die Linken in der Fraktion eine Reizfigur ist. Viel zu wirtschaftsliberal, heißt es über sie, und hämisch wird dieser Tage ein Zitat von ihr aus der Sitzung am Dienstag kolportiert: Sie sei nicht bei der CDU, sie sei nicht bei der FDP, sondern bei den Grünen, soll sie dort gesagt haben - was nun gegen sie verwendet wird: Wenn man es nötig habe, das noch zu betonen, könne doch etwas nicht stimmen. Den Flug nach Basel hat sie übrigens erwischt.

© SZ vom 27.09.2013/fran

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